West Sahara

Westsahara

16. Februar 2016, Reisetag: 34
Tan Tan, Marokko

Entlang der Küste geht es immer Richtung Süden. Bis Sidi Ifni finden wir die Umgebung wenig ansprechend. Das Landschaftsbild wird durch viele Bausünden zerstört. Zudem ist Plastikmüll auf den Feldern verteilt. Im weiteren Verlauf wird die Küste einsam und wild. Die auf der Karte durchgehend eingezeichnete Piste endet abrupt bei Plage Blance. Den ganzen Weg wollen wir nicht zurück fahren, versuchen den ein oder anderen Pfad und  biegen nach einiger Zeit auf eine gut aussehende Piste ab. Wir haben allerdings schon öfters gesehen, dass Wege nach vielen Kilometern undeutlicher werden und dann im Nichts enden. Mit zunehmender Entfernung werden wir immer unsicherer. Nach zwei Stunden kommt uns ein Militärlaster entgegen, die Besatzung salutiert vor uns und gibt uns Hoffnung. Der Weg sei gut, meint der Fahrer. Wohin er führt können wir aber auch aufgrund der Sprachprobleme nicht herausfinden.

Aus dem Nichts erscheint die Ruine des spanischen Forts „Bou-Jerif“ aus der Kolonialzeit.

Danach wird es immer schwieriger, den Weg zu finden. Wir wollen eigentlich immer der Küste entlang Richtung Süden. Stattdessen kommen wir von einer Piste auf die nächste, die plötzlich endet oder in die falsche Richtung führt. Steppe und Wüstenlandschaft, soweit das Auge reicht. Nur ab und zu tauchen ein paar Kamele auf.

Schließlich fahren wir nach GPS querfeldein immer in Richtung Süden. Nach zwei weiteren Stunden finden wir erleichtert die Straße. Sie führt uns zu einer schönen Unterkunft im Delta des Flusses Dra, dessen Schluchten uns schon im Hohen Atlas begeistert hatten. Die französische Wirtin ist eine passionierte Off-road Fahrerin, die diverse Rallyes gewonnen hat. Sie erzählt uns, wir seien eine der schwierigsten Gegenden in Marokko gefahren, als wir ihr „unseren Weg“ zeigen. Wir sind stolz, unsere Feuertaufe im schwierigen Gelände gut hinter uns gebracht zu haben.

Übernachtung: Ksar de Tafnidilt (2)

17. Februar 2016, Reisetag: 35
Boujdour, Marokko

Viele hatten uns erzählt, die weite Strecke bis Mauretanien sei langweilig. Wir sind ganz anderer Meinung. Die großflächigen Steppen und Wüstenlandschaften faszinieren uns. Eine neue Teerstraße führt an der Küste entlang scheinbar endlos geradeaus, es gibt kaum Verkehr. Die Landschaft wechselt zwischen Steilküsten und weiten, unberührten Sandbuchten. Wir sehen hier zum ersten Mal auf der Strecke rosa Flamingos.

Auf der Route werden wir mindestens fünfmal von der Polizei kontrolliert. Die Beamten sind sehr freundlich, mit Blick auf unseren Heimatort werden wir sofort mit Beckenbauer in Verbindung gebracht. Der FC Bayern macht weltweit gute Werbung für München. Später sehen wir selbst in den abgelegensten Dörfern die Trikots der Mannschaft. Ein Beamter lobt uns als vorbildliche Touristen, weil wir ihm einen vollständig ausgefüllten Fiche übergeben, ein ausgedrucktes Papier mit allen persönlichen Daten. Die Polizei heftet es ab und spart viel Zeit anstelle des andauernden Abschreibens der Pass- und Fahrzeugdaten. Später in Mauretanien hat die Polizei dieses System perfektioniert und vermerkt bei jeder Kontrolle den letzten Posten und das weitere Ziel. Dadurch kennen die Behörden im Notfall den aktuellen Aufenthaltsort, auch ohne Computer und Internet.
In Tarfaya essen wir seit langem wieder frischen Fisch und besuchen das einzige Museum. Antoine de Saint-Exupery war hier Chef eines einsamen Flugplatzes. Er arbeitete ab 1926 als Pilot für die Luftpostgesellschaft auf der Etappe Toulouse-Casablanca. Später richtete er Flugpost- und Luftfrachtlinien in Südamerika ein. Mehrfach musste er notgelandete Kollegen in der Wüste retten. Den eigenen Absturz überlebte er nach fünftägiger Wanderung durch die Sahara nur knapp. Von seinem letzten, nur noch zur Vorführung gedachten Flug, kehrte er 1944 nicht mehr zurück. Seitdem verschollen, wurde erst kürzlich sein Armband aus dem Atlantik gefischt.

Bekannt wurde er als Schriftsteller. Seine Erlebnisse aus der Wüste verarbeitete er in seinem bekanntesten Werk. „Der Kleine Prinz“ gehört zu den erfolgreichsten Büchern der Welt, es wurde in über 250 Sprachen übersetzt. Dank Hannes Sammlung an Hörbüchern unterhält uns der „Kleine Prinz“ auf der weiteren Fahrt. Für uns ist es eines der schönsten Bücher.

Übernachtung: Camping Sahara-Line (3)

18.-19. Februar 2016, Reisetag: 36-37
Dakhla, Westsahara

Dakhla ist die südlichste und wichtigste Stadt der Westsahara. Der Großteil dieses riesigen Wüstenstreifens wurde von Marokko annektiert, von keiner anderen Nation jedoch völkerrechtlich anerkannt. Die zur spanischen Kolonialzeit entstandene, linksgerichtete „Befreiungsfront der Saharius“ kämpfte für einen unabhängigen Staat. Seit 1991 gibt es einen Waffenstillstand. Die Saharius wurden darin auf ein kleines Gebiet im Osten und Süden zurückgedrängt. Bis heute wurde das vereinbarte Referendum über den völkerrechtlichen Status des Gebietes nicht durchgeführt. Tausende Saharius leben noch in riesigen Flüchtlingslagern in Algerien. Die Vereinten Nationen sind seitdem mit einer Beobachtungsmisson präsent. Das gesamte Gebiet ist militärisch überwacht, die Wüste durch abertausende Landminen unpassierbar. Marokko steckt Unsummen in den Aufbau dieser unwirtlichen, auch an Rohstoffen wertlosen Gegend. Alle Güter werden stark subventioniert, wir freuen uns über den mit 35 Cent/Liter bisher billigsten Diesel. Die Ansiedlung von Marokkanern in der Westsahara wird massiv gefördert, Steuerfreiheit inklusive. Scheinbar sollen im Hinblick auf das irgendwann doch noch abzuhaltende Referendum Fakten zugunsten Marokkos geschaffen werden.

Auf der Strecke bis Dakhla wechseln sich Dünen und Steine entlang der Teerstraße ab und immer wieder taucht ein kleines Fischerdorf auf. Für uns ist es trotz der Länge eine interessante Strecke. Hunderte Kilometer links der Straße menschenleere Weite, rechts davon Steilküsten und davor das tosende Meer. Auf einigen Abschnitten wachsen sogar Blumen. Die Wüste bekommt zu dieser Jahreszeit eine lila Färbung.

Im einzigen Café auf der Strecke machen wir halt. Es wird von zwei Brüdern geführt, die uns für umgerechnet drei Euro Tee, Kaffee, frischen Orangensaft, Omelett und Brot servieren. Ein Genuss mitten im Nichts. Die allgegenwärtige Gastfreundschaft haben wir in ganz Marokko sehr geschätzt. Wir wurden überall gut empfangen, je weiter weg vom Massentourismus, desto herzlicher.

Als wir in die Bucht nach Dakhla fahren fühlen wir uns wie im Paradies. Ein traumhafter Platz mitten in der Westsahara.

Durch den immer guten Wind ist die Bucht ein Wunschziel für Kite Surfer aus aller Welt. Die Stadt Dakhla selbst gefällt uns nicht. Es gibt nur viele neue, unfertige Betonhäuser zwischen etlichen Militärstützpunkten.
Wir entscheiden uns statt dessen für ein Surfcamp in der Bucht. Hier entspannen wir einen Tag vor der Grenze nach Mauretanien. Im Jahr regnet es in der Westsahara durchschnittlich 13 Stunden. Natürlich regnet es in der Nacht, in der wir hier sind ununterbrochen. Nächsten Tags ist schon bis zum Mittag alles wieder ausgetrocknet, als wäre nichts gewesen.

Übernachtung: Surfcamp Ocean Vagabond (1)