Sambia

Sambia

6. November 2017, Reisetag: 309
Livingstone, Sambia

“Also, das werde ich nie verstehen”, meint Hannes mit Blick auf das sambische Grenzprozedere. In der Tat ist der Ablauf für unser deutsches Verwaltungsverständnis schwer zu begreifen. Um einzureisen, brauchen wir einen Stempel im Pass. Und dazu ein Visum, hier an der Grenze zu kaufen. Soweit so gut. Für das Auto müssen wir Straßensteuer bezahlen. Und auch CO2-Steuer. Nicht zu vergessen, auch unser Zolldokument ist abzustempeln, das „Carnet de Passage“. Alles verständlich. Und es muss natürlich Gemeindesteuer bezahlt werden für die Grenzortschaft. Lässt sich auch noch begreifen. Interessant ist allerdings, dass es für wirklich jede dieser Notwendigkeiten ein eigenes Büro mit separatem Gebäude bedarf mit entsprechenden Mitarbeitern, eigenen Formularen und Bestätigungen.

Umso verwunderlicher ist es, dass wir innerhalb einer Stunde alles brav erledigt bekommen, auch ohne die Hilfe der zahlreichen nervigen, uns belagernden Helfer anzunehmen. Alle fälligen Beträge sollen wir in Dollar bezahlen. „Wir haben keine Dollar, wir haben Kwatscha, eure eigene Währung“, weist Svenja dieses Verlangen konsequent von sich. Scheinbar ist das eigene Geld aber nicht so beliebt. Die Offiziellen bestehen auf Dollar. „Wie soll ich denn Dollar haben? Wir sind aus Europa und mit dem Auto nach Afrika gefahren“, versucht es jetzt Hannes. Auch ohne Erfolg. Erst als wir es mit Spaß nehmen, wird, wie dann so oft, alles möglich. „Also ich verstehe nicht, wieso ihr dieses Geld wollt. Seid ihr denn alle Fans von Donald Trump?“ Letztlich bezahlen wir alles in Kwatscha.

Danach trennt uns nur noch ein Fluss von Sambia, der Sambesi. Er ist ein gewaltiger. Nach Nil, Kongo und Niger, ist er der viertlängste Strom Afrikas und eine Legende. Schon David Livingstone, der vielleicht bekannteste Afrikaforscher, rühmte sich, der erste weiße Mensch an den Wasserfällen des Sambesi gewesen zu sein. Sie sind die größten der Welt, nach seiner Königin taufte er sie Viktoria Fälle. Heute wissen wir, dass er bei seinen Erfolgen gerne flunkerte und schon von anderen Weißen bei den Fällen wusste.

Kongo und Niger haben wir auf unserer Reise schon überquert. Die Brücke über den Sambesi ist gerade noch in Bau, Ende 2018 soll sie fertig werden. Als wir mit der gemütlichen, problemlosen Fähre nach Sambia übersetzen, haben wir einen guten Blick auf die von koreanischen Konzernen betriebene Großbaustelle.

Die Viktoriafälle sind vermutlich in allen Top Ten-Listen Afrikas vertreten. Entsprechend touristisch ist die Infrastruktur. Wir nutzen das Angebot und den Komfort, nichts selbst organisieren zu müssen sehr gerne und buchen ein Sambesi-Paket mit „Sunset Dinner Cruise“. Touristischer geht es nicht mehr. Die abendliche Flussfahrt mit einigen gratis Gin Tonics genießen wir trotzdem.

Übernachtung: Waterfront Campsite (2)

7. November 2017, Reisetag: 310
Livingstone, Sambia

„Also, da oben sind die Viktoriafälle“, meint unser Bootsführer, als er auf eine mehrere hundert Meter lange Felskante zeigt. „Aha, gut zu wissen“, antwortet Svenja, als sie ungläubig auf die Berge schaut. In der Tat sieht es ziemlich ernüchternd aus, vom Wasserfall ist nichts zu sehen. „Jetzt in der Trockenzeit gibt es natürlich wenig Wasser“, kontert der Einheimische leicht beleidigt ihren Einwurf. Vom größten Wasserfall der Welt sehen wir nach längerem Suchen nur ein kleines Rinnsal. Unsere Enttäuschung ist groß, wir machen aber das Beste daraus. „Jetzt bei Niedrigwasser ist die beste Zeit zum Rafting“, meint Hannes. Tags zuvor las er davon im Internet. Der Sambesi gilt als eine der Top Ten Rafting-Gebiete weltweit. Nur jetzt bei wenig Wasser lassen sich alle der berühmten Stromschnellen befahren. „Das muss ganz toll sein, im Internet ist es als fünf von fünf beschrieben“, erklärt Hannes noch Svenja. Wie wir relativ schnell erfahren werden, ist damit nicht die Qualität, sondern die Schwierigkeitsstufe des Gewässers gemeint.

Pünktlich um 8:00 Uhr morgens stehen wir, bereits über Verhaltensregeln, Sicherheitsmaßnahmen und Kommandos unterrichtet, sowie mit Schwimmweste, Schutzhelm und Paddel bewaffnet am Ufer des Sambesi. „Left, right, slow, fast, super fast, hold, down“, wiederholen wir im Kopf gerade noch die uns beigebrachten Kommandos, als wir auch schon im Gummiboot gemächlich den beeindruckenden Fluss hinuntertreiben. „Die erste Stromschnelle heißt „The Wall“, Schwierigkeitsstufe drei“, sind die letzten Worte unseres Kapitäns, die wir hören, bevor uns im wahrsten Sinne des Wortes der Atem wegbleibt. Ohrenbetäubend ist das Getöse, weiße Gischt überall, Wasser in Augen, Nase, Ohren und Mund. Eigentlich schwer vorstellbar bei dem Lärm, hören wir den Bootsführer von hinten wie wahnsinnig brüllen „faster, faster, faster!“ Wir paddeln krampfhaft, beinahe schon in Panik. „Hold!“, werden wir von hinten angeschrien. Das Zeichen zum Festkrallen mit beiden Händen an die Sicherheitsleine des Boots. Drei Sekunden später wieder: „faster, faster, faster!“, panisches Paddeln, wieder gefolgt von krampfhaftem Festklammern. Nach gefühlt endlosen Minuten sind wir durch die erste Stromschnelle durch. Hannes, der ganz vorne im Boot sitzt, hat noch nicht mal das verschluckte Wasser ausgehustet, als der, von uns mittlerweile nicht mehr so gern gemochte Kapitän mit schadenfrohem Grinsen schon wieder anfängt: „die nächste Stromschnelle heißt „The Bridge“, Schwierigkeitsstufe vier.“ Spätestens nach dieser zweifeln wir ernsthaft an unserer Entscheidung, die Ganztagestour mit allen 24 Stromschnellen des Sambesis gebucht zu haben.

Nach der fünften oder sechsten Stromschnelle, wir haben mittlerweile aufgehört mit unserem Schicksal zu hadern und folgen nur noch mechanisch den Kommandos des Kapitäns, wissen wir auch, wozu die Begleitkanus unser Boot sichern. Trotz immer noch lauter geschrienen Kommandos, schneller zu paddeln, kann keiner von uns diesen mehr folgen. Zu erschöpft, mit Krämpfen in den Oberarmen, bewegen wir die Plastikschaufeln nur noch kraftlos im Wasser hin und her. Eine stehende Welle hebt das gesamte Boot für einige Momente in die Höhe, danach sehen wir nur noch brodelnde Wassermassen um uns. Während es Hannes glücklicherweise schafft, sich irgendwie an dem gekenterten Boot festzuhalten, wird Svenja unter Wasser gedrückt und taucht erst einige Zeit später in ordentlichem Abstand wieder aus dem Fluss auf. Die Kanuten sind offensichtlich für solche Situationen sehr gut geschult, sofort ist einer bei ihr, mit einem beherzten Griff an der Rettungsweste wird sie wie eine getaufte Maus aus dem Fluss gezogen und bäuchlings quer über das Kanu gelegt.

Bei der viel zu kurzen Mittagspause, indem wir nicht mal unser Sandwich in Ruhe essen können, denken wir eigentlich nur darüber nach, wie wir die nächsten zwölf Stromschnellen überleben sollen. Im Laufe des Nachmittags stellt sich dann aber doch so etwas wie Routine ein. Mit geübterem Blick erkennen wir, wann gepaddelt werden muss, wann man sich festhält, und wann man vor den Wassermassen in Deckung geht.

Völlig fertig, aber überglücklich ob des Geschafften, kommen wir nach der letzten Stromschnelle am Flussufer der Endstation an. Was uns vermutlich wohlweislich vorher nicht gesagt wurde: wir müssen noch eine gute Stunde aus dem Flusstal auf einem steilen Bergpfad hinaufklettern.

Der Tag ging weit über unsere Kräfte hinaus. Es ist unglaublich, welche Touren afrikanische Anbieter auch mit Anfängern durchführen. Wir haben trotz der Strapazen jede Minute genossen und würden sofort wieder fahren.

Übernachtung: Waterfront Campsite (2)

8.-10. November 2017, Reisetag: 311-313
Kafue National Park, Sambia

Sambia hat eine Fülle von Nationalparks. Die meisten Touristen besuchen neben den Victoriafällen, wenn überhaupt nur die Parks am Luangwa Fluss im Osten des Landes. Sambias Safaritourismus steht im Schatten der berühmteren Parks in Südafrika und Botswana. Für Selbstfahrer mit viel Zeit ist es hingegen ein Paradies. Viel Zeit braucht man allerdings schon wegen der Größe des Landes, Sambia ist gut doppelt so groß wie Deutschland. Außerdem sind Sambias Straßen zumindest für ostafrikanische Verhältnisse schlecht und Straßendistanzen in Afrika sind ohnehin mit Europa nicht zu vergleichen.

Einen ganzen Fahrtag brauchen wir bis zum 200 km nördlich von Livingstone liegenden Kafue Nationalpark. Jetzt, kurz vor Beginn der Regenzeit sehen wir auf der ganzen Strecke von den Einheimischen gelegte Buschbrände. Eine, aus heutiger Sicht, fragwürdige Praxis.

Die Ackerböden Sambias sind von Natur aus sauer und nährstoffarm. Diese uralten, verwitterten Böden enthalten kaum organische Nährstoffe; fast alles hat heftiger Regen im Laufe von Jahrmillionen ausgewaschen. Die Kleinbauern betreiben Landwechselwirtschaft: Sie roden und bearbeiten die kleinen Felder zwei, drei Jahre mit Feuer, Hacke und Pflug – was den Böden rasch die letzten Nährstoffe entzieht. Sie säen ertragsarme Mais- und Manioksorten, düngen gar nicht oder falsch. Sie bewässern nicht und tun kaum etwas gegen Schädlinge und Unkraut: eine Landwirtschaft mit eingebauter Armutsgarantie.

Den riesigen Kafue Nationalpark haben wir fast ganz für uns allein.

Auch wenn es die Tierfülle, vor allem aufgrund von Wilderei, nicht mit Botswana aufnehmen kann, gefällt uns die hier unberührte Natur ausgesprochen gut. Erste Gewitter und Regengüsse erinnern uns an den Wettlauf mit der Regenzeit. Bald werden die Pisten in den Nationalparks unbefahrbar und dann für Monate gesperrt. Auch die Vegetation verändert sich mit der Fahrt nordwärts. Zunehmend tropische Pflanzen verdrängen die karge Steppe der Kalahari. Sehr zu unserer Freude stehen Mango und Ananas in voller Reife.

Höhepunkt des lohnenden Kafue Parks ist für uns ein Besuch des „Elephant Orphanage Project“, die einzige Elefantenrettungseinrichtung Afrikas, neben einer in Kenia. Die verwaisten Tierbabys werden zunächst im Elefantenkindergarten in Lusaka mit der Hand aufgezogen, um dann mit drei Jahren hier in den Park überzusiedeln. Für viele Jahre werden sie von Rangern im Camp betreut, tägliche geführte Spaziergänge in der ganzen Gruppe eingeschlossen. Im Teenager-Alter wird dann das Interesse an den wilden Artgenossen immer größer, der Kontakt zur Wildnis intensiviert und die Tiere schließlich ganz ausgewildert. So zumindest in der Theorie. Bisher konnten nur zwei Tiere, die hier lange genug waren, in die Wildnis entlassen werden. Und auch die kommen gerne immer wieder zu den Rangern auf Besuch. Elefanten haben ein sprichwörtlich lebenslanges Gedächtnis. Sie vergessen nie, Gutes wie Schlechtes. Für das Projekt ist das durchaus ein Problem. An Menschen gewohnte, zutrauliche Elefanten sind für Wilderer eine leichte Beute. Für uns Besucher ist das der Grund für Distanz zu den Tieren. Sie sollen ihr Leben lang möglichst nur ihre Pfleger als einzige Menschen zu sehen bekommen.

Pünktlich um 12:00 Uhr mittags sitzen wir in gehörigem Mindestabstand und warten. „Ich kann es nicht glauben, dass die Elefanten kommen“, meint Hannes ungeduldig. Aber wir werden nicht enttäuscht. 12 junge Tiere kommen im Gänsemarsch gerannt. Je näher es an das Camp geht, desto schneller laufen sie und tröten uns lautstark ihre Freude über das anstehende Mittagessen in die Ohren.

Übernachtungen: Hippo Bay Campsite (2), Kasabushi Camp (1) und Mongu Country Lodge (4)

11.-12. November 2017, Reisetag: 314-315
Liuwa Plain National Park, Sambia

Unser nächstes Ziel ist der Nationalpark Liuwa Plain. Die Hochebenen sind Schauplatz der zweitgrößten Gnu Wanderung Afrikas, nach der Serengeti. Wir sind genau zur richtigen Zeit hier. Vor der Abfahrt erleben wir allerdings wieder einmal das fragwürdige Flair afrikanischer Hotels. „Schnell, renn und hol jemand“, weckt Hannes frühmorgens Svenja, als er panisch aus dem Bad ruft. „Lass mich schlafen, es ist zu früh“, ist ihre wenig hilfreiche Antwort. „Nein, nein steh jetzt auf. Das ganze Bad ist unter Wasser“, entgegnet er etwas unfreundlich. Verzweifelt versucht er dabei, mit allen Handtüchern das brühend heiße Wasser der Dusche abzudrehen. Die Armatur ist auf voller Öffnung gebrochen, der Duschkopf weggeflogen und das Wasser schießt fast kochend aus der Wand. Afrikanische Sonnenkollektoren haben keine Temperaturregelung.

Als Svenja schließlich jemanden im Hotel auftreibt, ist schon das halbe Stockwerk im Wasser und Dampf untergegangen. „Das Wasser ist sehr heiß“, ist der einzige Kommentar, den der hilflose Mitarbeiter zur Situation beiträgt. Wir haben Mitleid mit ihm und suchen krampfhaft, bis wir schließlich so etwas wie einen Absperrhahn im Keller finden. „Die beste Dusche im Hotel ist immer noch die an unserem Auto“, fasst Svenja zutreffend unsere afrikanischen Hotelerfahrungen zusammen.

Wir setzen unsere Reise ungeduscht fort. Zumindest unsere Wäsche will das Hotel trotz Regens waschen. „Wir haben dafür sogar einen Trockner“, ist die stolze Antwort des Managers. Das Trocknen dauert aber noch bis Mittag. Wir nutzen die Zwangspause für einen Besuch des nahegelegenen Königspalastes. Der Anführer des mächtigen Volkes der Lotzi genießt im Westen Sambias immer noch höchstes Ansehen. Sein Wort gilt manchem Untertanen mehr als das der sambischen Regierung.

Das Palastmuseum strotzt nicht gerade von Exponaten mit Weltruhm, interessant ist aber die Geschichte des Volkes dort zu erfahren. Dabei war die Inzucht europäischer Fürstenhäuser offenbar nie ein Problem der Lotzi. „Nachfolger des Königs wird immer einer der Neffen“, erklärt uns der bemühte Führer, der sich sichtlich über die einzigen Touristen seit langem freut. Das sei auch logisch, meint er, man könne schließlich nie wissen, ob die Kinder der eigenen Frauen von einem selbst seien.

Nachmittags sind wir schließlich unterwegs auf der brandneuen, von Chinesen gebauten Straße zum Liuwa Plain Park. Unsere Wäsche liegt nass in Säcken hinten im Auto. Als wir sie abholen wollten, waren gerade fünf Hotelmitarbeiter dabei, den defekten Trockner zu zerlegen.

Am Ende der, in der einsamen Gegend völlig deplatziert wirkenden Autobahn erfahren wir wieder die von uns geliebte afrikanische Flexibilität. Das Nationalparkbüro ist eigentlich schon geschlossen, die Mitarbeiterin im Dorf aber schnell gefunden und zu Überstunden für Besucher gerne bereit. Akribisch wird alles mehrfach notiert, bevor uns die kleine Fähre, von freundlichen Männern mit der Hand gezogen, über den Fluss bringt. Am anderen Ufer beginnen Park und Wildnis.

Übernachtung: Lyangu Campsite (1) und Katoyana Campsite (1)

13. November 2017, Reisetag: 316
Lukulu, Sambia

Liuwa verdient seinen Beinamen „Plains“ zurecht. Die Gegend ist bretteben, weit und breit nur scheinbar endlose Weite, am Horizon nichts als Hitzeflimmern in allen Richtungen. „Ich glaub es nicht, da ist eine Palme eingezeichnet“, meint Svenja nach einem Blick auf unsere elektronische Karte von Tracks4Africa. Nach zwei Stunden Fahrt durch die platte Landschaft stehen wir dann tatsächlich davor. Eine einzige, einsame Palme. Unter ihrem Schatten drängen sich die Tiere.

Für den Höhepunkt der Gnu Wanderung sind wir scheinbar noch zu früh. Aber die schon angekommenen Tiere ziehen uns schnell in ihren Bann. Gierig machen sie sich über die ersten grünen Grasbüschel der aufziehenden Regenzeit her. Sie sind Milchgrundlage für die vielen gerade neu geborenen Gnus.

Liuwa Plains ist auch für seine Vögel bekannt. Bei einigen wird uns klar, warum man von „komischen Vogel“ spricht.

Fast alle Besucher des Nationalparks verlassen diesen wieder am einzigen Parkeingang im Süden. Unsere Navigationssoftware zeigt aber auch eine Piste im Norden. Für uns eine scheinbar gute Alternative. Unser Ziel ist das Dreiländereck Sambia, Angola und Kongo (DRC). Dort befindet sich die Quelle des Sambesi, die wir gerne sehen wollen.

Früh morgens machen wir uns auf den Weg. Die beschriebene Piste stellt sich als mittlerweile nicht mehr existent heraus. Wir fahren nach der groben Himmelsrichtung und hoffen, einen Übergang über den Fluss zu finden. Überall sind die kleinen Trampelpfade überwachsen, wir kämpfen uns durch die Büsche. Auf der Strecke sehen wir den ganzen Tag nur einen einzigen Ochsenkarren.

Mittags halten wir an einer einsamen Hütte im gefühlten Nirgendwo. Trotz der Abgeschiedenheit geht es hier lebhaft zu. Die Behausung wird von einer Familie mit 13 Kindern bewohnt. Wir werden sehr freundlich empfangen, eine Verständigung ist mangels gemeinsamer Sprache nicht möglich. Alle Mitglieder der Familie wollen unbedingt fotografiert werden. Die Einladung zum Mittagessen schlagen wir aus, auch wenn uns klar ist, dass die Gastfreundschaft eigentlich nicht zurückgewiesen werden sollte. Den Kindern sieht man aber die Mangelernährung zu deutlich an, als dass wir etwas wegessen wollten.

„Ich kann einfach nicht verstehen, wieso die Familie ihre Felder nicht weiter ausbaut“, meint Hannes auf der Weiterfahrt. Mangelernährung im eigentlich fruchtbaren Gebiet ist für uns tatsächlich schwer zu verstehen. Viele Familien, die wir in Afrika treffen, haben fruchtbare Felder, die nicht bestellt werden, einige sogar beachtliche Rinderherden, die nicht gemolken oder geschlachtet werden, sondern nur als Statusbesitz dienen. Vielen ist scheinbar der Gedanke an Vorratsbewirtschaftung fremd. Das Leben spielt sich im Hier und Jetzt, meist nur für den jeweiligen Tag ab.

In dieser abgeschiedenen Gegend ist diese ursprüngliche Lebensweise noch besonders verbreitet. Wir sehen keinen einzigen Fernseher in den Hütten. Einige haben augenscheinlich noch wenige weiße Menschen gesehen. Die Neugierde, manchmal auch Angst, ist entsprechend groß. Die meisten Kinder gehen nicht zur Schule und Mädchen werden sehr früh verheiratet.

Nach einigen Stunden Kampf im Unterholz kommen wir bei Lukulu an den Sambesi. Angeblich soll es hier an einem Strandabschnitt eine Fähre zum Übersetzen geben. „Also, ich sehe hier weit und breit gar nichts“, meint Svenja nach einigem Suchen am Fluss. „Ich frag mich mal durch“. Einige Zeit später finden wir einen anderen Flusszugang, von dem man gegenüberliegend eine kleine Fähre sehen kann. Nach längerem Pfeifen und Winken setzt diese tatsächlich über und befördert uns zu der kleinen Missionsstation am anderen Ufer in Lukulu.

In dem malerischen kleinen Ort fühlen wir uns gleich wohl. Pater Chris empfängt uns trotz des Ruhetags sehr freundlich. Wir campen auf dem Missionsgelände und essen mit dem Pater und drei Schwestern zu Abend. Heute leben acht Mitarbeiter in der im 19. Jahrhundert von Kapuzinern gegründeten Mission. Die beiden weißen Schwestern aus Irland und Australien sehen ihre Hauptaufgabe in der Gesundheitsaufklärung, wobei ein Schwerpunkt auf HIV liegt. Svenja ist sofort Feuer und Flamme, fährt am nächsten Tag mit den Schwestern auf eine Tagestour und hilft tatkräftig mit.

Die Babys, die von der Mission unterstützt werden, sind häufig zu früh geboren, ihre Mütter an Aids oder im Kindbett gestorben. Auch Zwillinge und Drillinge sind nicht selten. Ihre Familie kann die Milchersatzprodukte nicht bezahlen. Die Kliniken sind nicht in der Lage, wichtige Anweisungen und Beratung zu geben. So müssen Frühgeborene beispielsweise häufig geweckt werden, um regelmäßig gefüttert zu werden. Ganz anders ist die afrikanische Tradition. Kinder werden nur bei Bedarf gestillt oder, wenn die Mutter gerade Zeit hat und nicht für den Rest der Familie kochen oder das Feld bestellen muss.

Die Mission betreut im Jahr 70-100 Babys. Ihre Verwandten kommen bis zum 18. Lebensmonat der Kinder wöchentlich, um Babymilch zu holen und die Entwicklung der Kinder beobachten zu lassen.

Daneben hilft Svenja, den Schwestern, acht Personen auf HIV zu testen und zu beraten. Medikamente gegen HIV gibt es vom Staat kostenlos für die ersten drei Monate der Schwangerschaft. Aber auch diese müssen regelmäßig und zuverlässig eingenommen werden, sollen die Kinder eine Chance haben, sich nicht bei der Mutter anzustecken.

Die wenigen Mitarbeiter der Mission führen einen anstrengenden Kampf gegen die riesige Anzahl von Fällen und gegen weitverbreiteten Aberglauben. Die meisten Menschen hier sind der Ansicht, am besten helfe der Verzehr von Krokodilfleisch gegen Aids.

Übernachtung: Camping auf dem Missionsgelände (2)

14.-16. November 2017, Reisetag: 317-319
Kabompo und Mwinilunga, Sambia

Über eine schlechte Piste fahren wir weiter Richtung Norden. Mittlerweile regnet es immer mehr. Mit einem Zwischenstopp in Kabompo gelangen wir nach Mwinilunga. Das Städtchen ist der Startpunkt für unseren Ausflug an den äußersten Nordwesten Sambias, in das Dreiländereck. Von der 220 km langen Fahrt dorthin wird uns in der Regenzeit eigentlich abgeraten. Wir hören nicht darauf und werden dafür großartig belohnt. Die Sonne scheint die meiste Zeit und trocknet den Großteil der Piste. Sie ist gut zu befahren. Die Vegetation ist tropisch, mit beeindruckenden Wäldern und hübschen, im traditionellen Stil gebauten Dörfern. Am Straßenrand werden uns unbekannte Pilze verkauft. Wir erwerben, vermutlich immer noch zum Touristenpreis, für zwei Euro einen ganzen Eimer davon. Die Pilze schmecken ausgezeichnet, wenn auch ungewohnt und ein bisschen bitter, den kurzen Gedanken an Wirkungen unbekannter Schwammerl zuhause verdrängen wir ganz schnell.

Im Internet lesen wir Nachrichten vom Militärputsch in Simbabwe. Die jahrzehntelange Diktatur Mogabes scheint damit endlich beendet zu werden. Es ist allerdings nicht klar, inwiefern das ganze friedlich vonstattengehen wird. Wir entscheiden uns wieder einmal, unseren Plan zu ändern und das, von vielen Reisenden hochgelobte Land auszulassen.

Am Ende der kleinen Landzunge, direkt an der kongolesischen Grenze erreichen wir die Quelle des Sambesi. Der Ort war den Einheimischen immer schon heilig, es gab einen Schrein, auf dem Tier- und, der Sage nach, früher auch Menschenopfer dargebracht wurden. Mittlerweile hat die Regierung das Gelände beschlagnahmt und eine Art Nationalpark daraus gemacht. Entsprechend hoch sind die Eintrittsgebühren, zumindest für uns ausländische Besucher.

Der Spaziergang durch den beeindruckenden Regenwald gefällt uns noch ganz gut, die angebliche Quelle ist dann aber enttäuschend. Zwei oder drei kleine Rinnsale kommen unter den verfaulten Baumstümpfen des Sumpfgeländes hervor. Darüber steht auf einer einfachen Holztafel geschrieben: „Quelle des Sambesi. Nationales Monument.“ Die Tafel könnte genauso gut an jeder anderen Stelle des Sumpfes stehen. Nur mit sehr viel Fantasie lässt sich gerade hier die Quelle des gewaltigen Stroms vorstellen, der einmal die größten Wasserfälle der Welt bilden wird.

Das Quellwasser ist angeblich gut gegen allerlei Leiden, vor allem die der Frauen. Und Fruchtbarkeit natürlich. Svenja wäscht sich gleich mit dem braunen Nass.

Wir bleiben nicht lange hier, auf dem Rückweg besuchen wir noch das Gelände einer der frühesten Missionen. Die amerikanischen Missionsangestellten sind über unseren Besuch ohne Voranmeldung nicht begeistert, bemühen sich aber, uns freundlich das Gelände zu zeigen. Die Mission betreibt heute ein Internat. Aufgrund der für die meisten unerschwinglichen Schulgebühren von 3.000 $ im Jahr gehen vor allem Kinder weißer Gastarbeiter und reicher sambischer Familien hierher. Der Lehrplan orientiert sich an US-amerikanischen Vorgaben. Die Schule macht einen durchaus professionellen Eindruck, für uns wirkt sie in dieser abgeschiedenen, armen Gegend im äußersten Sambia völlig fehl am Platz. Wir fühlen uns nicht wirklich wohl.

Insgesamt würden wir unseren Ausflug an die Nordspitze Sambias nicht unbedingt noch einmal machen. Am besten hat uns dabei noch die wilde Piste am Nordausgang der Liuwa Plains gefallen. Dort hatten wir auch das Glück, unsere zweite Schlange der Reise in Ruhe zu fotografieren. Die hochgiftige, aber wegen ihrer Trägheit meist ungefährliche Gabun Viper. Wie im Buch beschrieben, bewegt sie sich nicht von der Stelle, selbst als wir mit dem Auto ein paar Zentimeter neben sie fahren.

Übernachtung: Cheke Jubilee Lodge in Kabompo (2), Kwakuwahi Lodge in Mwinilunga (2)

17.-21. November 2017, Reisetag: 320-324
Solwezi, Sambia

Sambia bildet auf der Landkarte zwei annähernd gleich große, runde Landesteile. Den westlichen davon haben wir bisher ausführlich bereist. Die spektakulärsten Landschaften liegen aber angeblich am Luangwa Fluss im Osten. Uns trennt davon eine knapp tausend Kilometer lange Fahrt auf schlechter Asphaltstraße nahe der Grenze zum Kongo (DRC). Diese Gegend ist für seinen Rohstoffreichtum berühmt, touristische Sehenswürdigkeiten gibt es keine.

Wir machen aus der Not eine Tugend. Nahe unserer Straße liegt „Kansanshi Mine“, die größte Kupfermine Afrikas. Die wollen wir unbedingt besuchen. Erste naive Anfragen beim Werkstor und per Mail geben uns wenig Hoffnung. Die Mine sei nicht zugänglich für Besucher, wird uns gesagt.

So leicht geben wir nicht auf und mieten uns im besten Geschäftshotel der Gegend ein. Abends an der Bar knüpft man immer die besten Kontakte. Das Reiseglück ist uns auch hier hold. Wir lernen das britisch, sambische Hoteliers-Ehepaar kennen. Die beiden laden uns sehr herzlich zum Abendessen in ihr Haus ein und wir verbringen eine schöne Zeit in dem Hotel. Sie helfen uns auch für unseren Minenbesuch. Der mit den Eigentümern befreundete Minenmanager will uns eine Sondererlaubnis besorgen. Diese muss direkt aus der Firmenzentrale in Kanada eingeholt werden.

Vier Tage später ist es dann soweit. Wir werden zusammen mit einer Gruppe Arbeiterangehörigen beim Werkseingang registriert und bekommen einen Besucherausweis. „Na, das wird schon was sein“, kommentiert Hannes etwas abfällig die Information unseres Gruppenleiters, man müsse erst eine Sicherheitseinweisung hinter sich bringen. In unserer Vorstellung sehen afrikanische Minen aus, wie unsere im 19. Jahrhundert. Menschenunwürdige Bedingungen, Kinderarbeit und Grubenpferde eingeschlossen. Sicherheitsregeln für Besucher erscheinen uns da fehl am Platz, wahrscheinlich sollen wir das alles nur nicht fotografieren.

Wir werden eines ganz anderen belehrt.

Erste Station der Einweisung ist ein Computerraum. An modernsten Rechnern sitzen wir mit Kopfhörern, sehen audiovisuelle Touren durch den Betrieb der Mine. Interaktiv fragt das Programm durch alle wesentlichen Sicherheitsfragen. Das Ergebnis wird elektronisch zum Sicherheitsmanager gesendet, der uns zur nächsten Station bringt. Einweisung in das Helmtragen, Schuhüberprüfung folgen ebenso wie mehrere Vorträge zu den Abläufen auf dem Gelände und wo wir nicht zu stehen haben. Schließlich entschuldigt sich der Manager, dass der Schlangenbeauftragte gerade krank sei und er daher die Einweisung in die Reptilien auf dem Gelände selbst machen müsse. Wir sind sprachlos, als wir nach zwei Stunden die elektronische Sicherheitsfreigabe auf dem Besucherpass bekommen. Dokumentiert und archiviert versteht sich.

Was wir die folgenden Stunden in der Mine sehen ist für uns bis dahin unvorstellbar. Sowohl was die Größe der Anlage als auch die Professionalität des Ganzen angeht.

In Kansanshi werden von 2.300 Menschen 300.000 Tonnen Gestein abgebaut. Am Tag. Und das an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden täglich. Abtransportiert wird der Abbau in gigantischen Muldenkippern mit 180 Tonnen Traglast. Jede Minute wird davon einer beladen und entladen. Jeder dieser Trucks umrundet rechnerisch die Erde dreimal pro Jahr und verbraucht dabei 1 Million Liter Diesel. Das allein reicht aber nicht. Bergauf fahren die Transporter zusätzlich elektrisch. Ausfahrbare Stromabnehmer docken an Hochspannungstrassen an. Sechs Grad Steigung werden mit 2.000 PS Diesel- und mehreren Elektromotoren mit 25 km/h gemeistert, die Straße wird dabei alle 20 Minuten mit Polymeren und Wasser gegen Staub besprüht.

Sicherheit wird auch hier an erster Stelle geschrieben. Alle Fahrer werden permanent elektronisch überwacht, die Messdaten in Echtzeit in die USA gesendet und dort ausgewertet. Jedes Anzeichen von Müdigkeit führt zu einer Verwarnung und beim zweiten Mal zum Fahrverbot. Das dies nicht grundlos passiert, sehen wir später am Ende unseres Besuches. Wie zur Warnung prangt am Ausgang ein riesiges Foto unseres Toyota Modells oder dem, was davon übrigblieb. Ein Muldenkipper übersah das auch nicht gerade kleine Fahrzeug trotz des meterhohen Signalwimpels. Aus dem Auto gab es nichts mehr zu bergen.

Das Ergebnis der gewaltigen Operation sind 250.000 Tonnen Kupfer pro Jahr und, als willkommenes Nebenprodukt, 130.000 Unzen Gold, beides zusammen im Marktwert von rund 1,5 Milliarden EURO.

Die Eindrücke unseres Besuchs wirken vermutlich ein Leben lang nach. Aus Zahlen und Beschreibungen lässt sich die unvorstellbare Ausbeutung unseres Planeten nicht erfassen. Erst ein Blick vom Rande einer solchen Mine macht es begreiflich. Weltweit betrachtet ist Kansanshi übrigens keine große Nummer. Von den zehn größten Kupferminen der Welt befindet sich keine in Afrika.

Übernachtung: Kansanshi Hotel (1)

22.-25. November 2017, Reisetag: 325-328
Kasanka National Park, Sambia

Zwei wenig angenehme Reisetage hinter staubigen LKW auf löchriger Asphaltstraße führen uns weiter durch den Kupfergürtel in den östlichen Teil Sambias. Dort erwartet uns ein Naturschauspiel ohne Gleichen. Kasanka Nationalpark ist Schauplatz der größten Säugetiermigration der Welt. Während jedermann die Gnu Wanderung der Serengeti kennt, ist Kasanka weitgehend unbekannt.

Wir haben Glück, genau zur richtigen Zeit hier zu sein. „Ich habe das schon in einer BBC Dokumentation gesehen. Kaum zu glauben, dass wir einmal hierherkommen“, mein Hannes ziemlich aufgeregt, als wir zwei Stunden hinter unseren Führer durch hohes Savannengras zu einer notdürftig zusammengezimmerten Aussichtsplattform wandern. Mit zwei Feldstechern, Kameras und allen Objektiven gewappnet, stehen wir darauf eine Stunde und sehen nichts. „Das hätten wir uns sparen können“, ergänzt Svenja, als Hannes dem Führer klar machen will, dass wir lieber zurück zum Abendessen in die schöne Lodge wollen. Dieser lässt sich aber nicht abbringen und zeigt geduldig auf ein paar nahestehende Baumreihen. Dort ist auch mit Fernglas und Tele beim besten Willen nichts zu sehen. Die Sonne geht gerade unter, als ein paar schwarze Punkte aus den Bäumen aufsteigen. Fünf Minuten später ist der Himmel schwarz. „Unglaublich, wo kommen die denn alle her“, ruft Hannes begeistert. 10 Millionen Flughunde fliegen über uns aus den Bäumen zu ihrem allabendlichen Fressfest.

Jedes Jahr zum Regenbeginn kommen die Vegetarier aus ihrer Heimat Kongo zu den Fressgründen nach Kasanka. Hier schmecken die Beeren scheinbar besonders gut. Jede Nacht vertilgen die Palmenflughunde 5.000 Tonnen davon. Wie sie sich orientieren, ist noch unerforscht. „Jetzt weißt du auch, warum du doch deine Mütze mitnehmen hättest sollen“, kommentiert Svenja die Guano Ladungen in Hannes Haaren auf dem Rückweg.

Übernachtung: Katuba Guest House in Ndola (2), Mapontela Village Inn in Serenje (4), Camping neben Wasa Lodge (2)

26.-27. November 2017, Reisetag: 329-330
Kabwe, Sambia

Immer stärkere Regenfälle und unser in einer Woche anstehender Rückflug lassen uns umkehren. Weiter nördlich wollten wir eigentlich noch die Gedenkstätte Livingstones besuchen. An seinem Sterbeort bei einem kleinen Dorf im Nirgendwo wurde das Herz des großen, nicht unumstrittenen Forschers unter einem Baum begraben. Sein restlicher Leichnam wurde eingesalzen und unter abenteuerlichen Bedingungen bis zum Indischen Ozean getragen, um später in Westminster Abbey sein Ehrengrab zu bekommen. Auch die Bangweulu-Sümpfe wären sicher sehenswert gewesen. Regenzeit und Sumpfbesuch sind aber zumindest für uns nicht kompatibel.

Übernachtung: Luangwa Safari Lodge (2)

28. November-6. Dezember 2017, Reisetag: 331-339
Lusaka, Sambia

Sambias Hauptstadt Lusaka hat, wie viele afrikanische Großstädte, wenig bis gar nichts Sehenswertes zu bieten. Entsprechend verbringen wir eine gute Woche in einer ruhigen Lodge in der Nähe des Flughafens mit der Aufarbeitung unserer Reiseerlebnisse. Wenige Stunden dauert es dann nur, um warme afrikanische Luft, Zikaden Zirpen und gemächliche Lebensart zu tauschen mit deutscher Kälte und vorweihnachtlicher Hektik.

6. Oktober 2018, Reisetag: 340
Lusaka, Sambia

Mit einer Übernachtung am Flughafen Nairobi fliegen wir mit KLM nach Lusaka. „Ich weiß schon gar nicht mehr, wie unser Buschtaxi aussieht“, meint Svenja auf dem Weg zur Pioneer Lodge, dem Stellplatzt des Autos. „Es ist wirklich lange her, fast ein Jahr“, gibt ihr Hannes Recht. Noch nie haben wir uns so gefreut, unsere Reise fortzusetzen. Unsere Pause in Deutschland war ungeplant lange.

Von der im letzten Jahr gefühlten Afrikamüdigkeit ist nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil. Wir sind voller Tatendrang, möglichst alle Länder auf dem Weg nach Ägypten zu erkunden. Einige davon sind touristisch entwickelt und leicht zu bereisen. Kenia, Tansania und Uganda. Und Ägypten natürlich, wobei es da mit dem eigenen Auto Schwierigkeiten geben soll. Andere Länder sind weniger im Blickpunkt der Reiseveranstalter, wie Äthiopien, Ruanda und der Sudan. Wieder andere würden wir sehr gerne besuchen, die derzeitige politische Situation ist aber eher ungünstig. Darunter Südsudan, einer der jüngsten Nationen, Somalialand, und Eritrea. Und natürlich den Nordosten des Kongos, mit seinem spektakulären Nationalpark Virunga. Dauerhaft aktive Vulkane und wilde Gorillas gäbe es dort zu sehen. Leider ist der Park nach jüngsten blutigen Auseinandersetzungen bis Ende 2018 geschlossen. In Afrika ändert sich aber vieles beinahe wöchentlich. Wir sind gespannt.

„So ein Mist, wir hätten die Batterien abklemmen sollen“, macht Hannes seinen Unmut über den nicht anspringenden Motor Luft. Nach der langen Zeit sind beide Batterien absolut leer. Mit kurzer Starthilfe durch einen freundlichen Camper läuft der Toyota Motor aber wieder, als ob er nie etwas anderes gemacht hätte.

Sobald wir abends beim Sundowner sitzen und auf die afrikanische Ruhe blicken, der auch die vielen Zikaden nichts anhaben können, ist sie wieder da. Unsere afrikanische Reise Entspanntheit. Die heimatliche Hektik hat hier keine Chance.

Übernachtung: Camping Pioneer Lodge (2)

7. Oktober 2018, Reisetag: 341
Lower Zambezi, Sambia

So ganz abgelegt haben wir unser deutsches, regelbewusstes Denken noch nicht. „Wir müssen unsere Straßengebühr erneuern, bevor wir weiterfahren“, meint Hannes pflichtbewusst. Sambia hat ein interessantes KFZ-Steuersystem. Die Abgaben werden nach gefahrener Strecke erhoben, im Voraus. Bei der Ankunft im Land mussten wir unsere geplante Strecke angeben. Ziemlich ratlos darüber, wir hatten noch nicht mal überlegt, welche Gegenden wir ansehen wollen, waren wir auf die Hilfe des Steuerbeamten angewiesen. „Nehmt einfach die kürzeste Strecke bis zur nächsten Grenze. Die Steuer wird nach Kilometer bemessen. Das passt dann schon“, meinte dieser. Dementsprechend sind wir mit bezahlter Straßengebühr für nur ein paar hundert Kilometern unterwegs durch ganz Sambia. „Aber wenn wir jetzt ein Jahr später fahren, müssen wir fragen, ob das noch gilt“, geht es Hannes nicht aus dem Kopf. Als wir die lange Schlange vor der Steuerbehörde sehen, sind wir uns plötzlich sicher, dass unser Dokument noch gut ist. Es hat schließlich auch kein Gültigkeitsdatum.

Die Elefantenstation im Kafue Nationalpark hat uns so gefallen, dass wir unbedingt auch das zugehörige Waisenhaus für Elefantenbabys besuchen wollen. Es liegt ohnehin auf unserem Weg in den südlichsten Nationalpark Sambias, dem Lower Zambezi National Park.

Für eine kleine Spende zugunsten der Tiere sind Touristen gern gesehene Gäste bei der täglichen Vormittagsfütterung. „Ihr müsst euch beeilen, wenn ihr sie beim Trinken fotografieren wollt“, ermahnt uns der Parkangestellte. „Wir haben nur die Babys hier. Sie bleiben bis zum dritten Lebensjahr, bevor sie in den Nationalpark zur Herde gebracht werden. Um Rangeleien zu vermeiden, werden alle gleichzeitig gefüttert. Eine Zwei Literflasche Milch pro Elefanten. Unter 10 Sekunden dauert es, bis die leer ist“, erklärt er uns. Es ist in der Tat eine fotografische Herausforderung die dauernd drängelnden, tollpatschigen Tiere zu fotografieren.

Die direkte Parkzufahrt zu Lower Zambezi über die „Leopard Hills Road“ ist anspruchsvoll, hinzu kommt unsere wachsende Sorge über unsere Batterien. Das Steuergerät zeigt an, dass die hinten im Auto nicht geladen wird. Als wir nachts am Camp mit Blick über den Sambesi, von schreienden Affenbanden und grunzenden Flusspferdherden abgesehen, ruhig schlafen, schreckt Svenja hoch: „Wach auf, es riecht schrecklich.“ Das Auto ist voll beißendem Schwefelgeruch, unsere Augen tränen. Ein kurzer Blick auf die heiße und bis zum Bersten angeschwollene Batterie macht klar: Die ist nicht mehr zu retten.

Übernachtung: Camping am Fluss Kiambi Lodge (2)

8.-9. Oktober 2018, Reisetag: 342-343
Lusaka, Sambia

Nach etwas Recherche im Internet sind wir klüger: Unsere defekte Batterie kann beim Laden auch explodieren. Wir fahren mit entsprechend mulmigem Gefühl und offenen Fenstern mit der Stinkbombe zurück nach Lusaka. Dort finden wir einen geschäftstüchtigen Inder, der mit seinem Solarunternehmen die Safaricamps in der ganzen Gegend ausrüstet. Er hat entsprechende neue Batterien auf Lager. „Kannst Du mir helfen, sie einzubauen“, frägt ihn Hannes, als er an seine beiden linken Hände denkt. „Kein Problem, ich wechsle sie gleich hier auf dem Parkplatz. Das habe ich in zwei Minuten“, antwortet der Inhaber hilfsbereit. Zwei Stunden später haben wir eine nagelneue passable Lithium Gel Batterie aus südafrikanischer Produktion im Toyota. „Du kannst das Auto bei mir, daneben im Restaurant oder im Schreibwarenladen an die Steckdose hängen“, bietet unser indischer Freund an. Auf Hannes etwas verdutzten Blick hin, wird uns erklärt: „Kein Problem, die beiden Geschäfte gehören auch mir. Und auch noch andere hier in der Shopping Mall.“ Er ist offensichtlich nicht nur geschäftstüchtig, sondern weiß auch, was Kundenservice ist. Ein paar Tage später frägt er uns per E-Mail, ob wir mit der neuen Batterie zufrieden seien.

Zu Abend essen wir in einer lokalen Bar. Heute spielt Sambia gegen Guinea-Bissau um die Qualifikation zum Fußball Afrika Cup. Beide Länder sind bekanntermaßen keine Fußball Größen. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung der Zuschauer bestens, mit zunehmendem Whiskey und Haschisch Konsum dann aber für uns zu aufgeheizt. Wir fahren schon in der Halbzeitpause in das mittlerweile heimisch gewordene Pioneer Camp.

Übernachtung: Camping Pioneer Lodge (2)

10.-14. Oktober 2018, Reisetag: 344 – 348
South Luangwa National Park, Sambia

Dank der neuen Batterie funktioniert im Buschtaxi wieder alles. Fast alles. Die Wasserpumpe läuft nach der langen Standzeit nicht mehr, eine neue ist hier in Sambia nicht zu bekommen. Mit oder ohne Wasser im Auto, wir wollen so schnell wie möglich los. Nach Luangwa, einem der schönsten Flusstäler Afrikas. Mit einer Übernachtung in Petauke erreichen wir den südlichen Nationalpark des riesigen Tales.

„Hier können wir uns auf mehr Touristen einstellen“, meint Hannes, als wir schon kurz vor dem Park einen ersten Kleinbus mit verräterischen Aufklebern der Reiseagentur sehen. Als wir vorbeifahren, stehen zwei Touristen ratlos daneben. „Können wir euch helfen“, frägt Svenja die beiden mit guter Menschenkenntnis gleich auf Deutsch. Ihre erste Afrikafahrt endete in den ersten Metern Sand. „Kein Grund, euch zu bedanken“, erwidern wir, nachdem ihr Auto ein paar Minuten später frei ist. „Uns ging es ganz genauso“, erzählen wir und erinnern uns nur allzu gerne an unsere ersten Meter in der Sahara vor zwei Jahren, wie uns schweizerische Freunde halfen. Unzähligen anderen Autos, Touristen wie Einheimischen gleichermaßen, haben wir seitdem geholfen. Umgekehrt hat uns niemand auf der ganzen Reise seine Hilfe verweigert.

Das hochgelobte noble „Wildlife Camp“ ist ausgebucht, wir bleiben trotzdem erstmal auf der Terrasse sitzen mit ihrem herrlichen Blick über den Luangwa. Flusspferde baden mit Krokodilen scheinbar freundschaftlich nebeneinander, Antilopen, Wildscheine und unzählige Vögel kommen von ihnen unbeeindruckt zum Trinken ans Ufer. „Unglaublich, welchen Aufwand diese Camps mit den Touristen treiben“, meint Hannes. „Die sind sogar zu faul, um zum Essen zu laufen“, pflichtet ihm Svenja bei, als wir zusehen, wie ein Safari-Mobil nach dem anderen direkt vor dem Restaurant hält und seine Insassen auslädt, die freundliche Kellner zu den schön gedeckten Tischen geleiten.

„Na gut, ein bisschen unrecht haben wir ihnen schon getan“, kommentiert Hannes die Erklärungen des Restaurantchefs. Den Fahrdienst vom Bungalow zum Restaurant gäbe es nur gerade, weil eine Elefantenherde die Hotelanlage abfrisst. Es sei zum Laufen viel zu gefährlich.

„Mag sein, aber trotzdem gefällt mir das alles hier nicht so“, meint Svenja. Schon spät machen wir uns weiter auf den Weg und finden ein großartiges Camp, ebenso schön am Fluss mit einem riesigen Pool gelegen. Die Klientel, Expats, die fürs Wochenende aus Lusaka kommen und ein paar Langzeitreisende sind eher unser Geschmack. Für ein paar Tage Entspannung ist es für uns ein perfekter Ort.

Zum Abendessen finden wir interessante Gesprächspartner. Mohamed aus Spanien beispielsweise. Keiner weiß, wie er eigentlich heißt. Seinen Spitznamen hat er wegen seines riesigen Vollbartes. Seit er in Spanien auf dem Rad losfuhr, um Ostafrika bis ans Kap zu durchqueren, hat er auf die Last des Rasierens verzichtet. Das hat aber scheinbar nicht nur Vorteile, wie er uns erzählt: „Ganz übel war es im Norden Mozambiks. Die Polizei hat mich dauernd aufgehalten. Zwei Nächte musste ich im Gefängnis schlafen, bis die Botschaft meine Identität bestätigt hat. Die wollten partout nicht glauben, dass es einen Spanier gibt, der aussieht wie ein Hollywood Terrorist.“

Oder Christiane aus Köln. Für die Stiftung der Apotheker und Ärzte Bank inspiziert sie deren Schulprojekte in Sambia. Sie ist so nett und lädt uns ein, mit ihrem Fahrer eine Privatsafari zu unternehmen.

Luangwa gilt zu Recht als Höhepunkt Sambias. Gleich drei Nationalparks reihen sich im Tal des Flusses aneinander. Und Luangwa ist berühmt für seine Leoparden. Bisher hatten wir mit diesen kein Glück. Die einzigen beiden, die wir in Botswana gesehen haben, waren zum Fotografieren eigentlich zu weit weg. Ganz anders hier. Eine junge Leopardenmutter begutachtet unbeeindruckt die auf sie und ihr Kleines gerichteten Teleobjektive. Seelenruhig posiert sie vor der Kamera. Man könnte fast glauben, sie sei sich ihrer Schönheit bewusst.

Wir beschließen im Sonnenuntergang eine unserer schönsten Safarifahrten Afrikas.

„Du wirst es nicht glauben, was mir gerade passiert ist“, begrüßt Hannes am nächsten Morgen Svenja am Frühstückstisch. „Ich sitze hier und lasse mit gerade Kaffee mit Toast bringen. Dann tut es einen riesen Schlag und ein Affe springt aus dem Baum auf meinem Tisch. Jetzt sitzt er da oben mit dem ganzen Brotkorb.“ Die überaus schlauen Grünen Meerkatzen sind in allen Camps ein großes Problem.

Zunächst sehr scheu, werden sie mit der Zeit an Menschen und ihre einfach zu ergatternden Speisen gewohnt. Besonders Toast und Zucker stehen bei ihnen hoch im Kurs. Nach zwei, drei Jahren sind sie dann so frech und intelligent im Team organisiert, dass auch die vielen als Wachen abgestellten Hotelangestellten sie nicht mehr abhalten können. Dann ist es Zeit für eine Säuberung. Die ganze Bande wird in Käfigen eingefangen und auf der anderen Flußseite ausgesetzt. Die Tiere können eigentlich schwimmen, hassen Wasser aber wie der Teufel das Weihwasser. Das Fressparadies am anderen Ufer beobachten sie von da an nur noch aus der Ferne.

Übernachtung: Camping Chimwemwe Lodge (Petauke) (3), Croco Village Camp (1)

15. Oktober 2018, Reisetag: 349
Luambe National Park, Sambia

Das kleine Paradies South Luangwa verabschiedet sich von uns mit einem bestialischen Anblick. Kurz vor dem Parkausgang schwimmt ein aufgeblähtes totes Flusspferd. Darum herum, in den Kadaver verbissen, drängen sich Dutzende Krokodile. Alle paar Sekunden dreht sich eines blitzschnell um die eigene Achse, um ein Stück aus dem Aas zu reißen. Am Ufer gegenüber sehen wir die blutverschmierten Mäuler der faul in der Morgensonne dösenden Löwen.

Nach South Luangwa ändert sich die touristische Situation schlagartig. Wir sehen keine anderen Autos mehr. Scheinbar ist nur der südliche Park Bestandteil eines typischen zweiwöchigen Safariurlaubs. Wir sind darüber nicht traurig, der Rest Luangwas soll ebenso spektakulär sein. Als nächstes liegt im Tal Luambe, ein vergleichsweiser kleiner Park, der uns wegen der Unmengen an Flusspferden empfohlen wurde.

Von der bisherigen guten touristischen Infrastruktur verwöhnt, machen wir uns viel zu spät Gedanken über den heutigen Stellplatz. Die einzigen eingezeichneten Camps gibt es mittlerweile nicht mehr, wir fahren trotz Dunkelheit weiter bis zum Parkeingang Luambes. „Es tut mir leid, aber nach Sonnenuntergang darf niemand mehr im Park fahren“, erklärt uns der Wächter freundlich, aber bestimmt. Erst nachdem wir ihm unsere für ihn überraschend genauen elektronischen Karten zeigen und versichern, dass wir ebenso wie der Eigentümer des einzigen Camps im Park aus Deutschland kommen, wird das Tor für uns geöffnet.

Um keine Tiere zu stören, fahren wir besonders langsam durch den Park. Aus den engen riesigen Baumschatten starren uns immer wieder glühende Augenpaare im Lichtschein des Toyotas an. Es ist eine gespenstische Fahrt, die uns viel zu spät zum Luambe Camp im Norden des Parks bringt.

Hundemüde, völlig entnervt und ausgehungert kommen wir endlich an. „Es tut uns leid, aber die Lodge wurde verkauft und der Campingplatz ist geschlossen.“ Der Sicherheitsbeamte sieht uns die Müdigkeit und Verzweiflung offenbar an. „Der Eigentümer ist auch nicht da, sondern gerade in Deutschland. Ihr könnt aber gerne mit seinem Sohn sprechen, der ist zu Besuch.“ Wir sind erleichtert und voller Zuversicht.

Selten wurden wir herzlicher empfangen. Wir dürfen nicht nur bleiben. Für einen Obolus überlässt man uns einen der komfortablen Manager Bungalows. Und wir dürfen beim Abendessen mit den Gästen des Luxuscamps mitessen. Gedeckte Tafel, Silberbesteck, mehrgängiges Menü mit besten Weinen. Manchmal liegen Verzweiflung und Glück auf unserer Reise sehr nahe beieinander. Die anderen, vornehmlich schweizerischen Gäste fragen uns interessiert über unsere Reise aus. Dem einen oder anderen sieht man die Verdutztheit darüber an, dass man nicht nur mit dem privat gecharterten Flugzeug hierherkommt.

Erst nächsten Tags sehen wir die ganze Schönheit der Lage. Direkt am Camp eigenen Bootsanleger liegt eine der größten Flusspferdpopulationen Afrikas. Wir tragen unseren Frühstückskaffee bis hierher.

Unser herzlicher Gastgeber zeigt uns gern die ganze Anlage. Der neue Eigentümer will das Camp nachhaltig ökofreundlich betreiben. PV Anlagen mit haushohen Akkublöcken sorgen für Strom. „So etwas habe ich noch nie gesehen, eine super Idee“, kommentiert Hannes anerkennend die Kühlanlage. Wände und Decken des Kühlraumes sind aus Holzkohle im Gitterzaun gebaut. Über diese wir permanent Wasser beregnet. Die Verdunstungskälte auf der riesigen Materialoberfläche reicht aus, um Weißwein auf Trinktemperatur zu halten.
Der immense Aufwand rechtfertigt sicher einen Teil des horrenden Preises für einen Aufenthalt. Um die 500 Dollar muss man pro Person und Nacht rechnen, Anflug nicht eingeschlossen. Weder Eigentümer noch Angestellte werden davon aber reich. Der Löwenanteil geht, wie immer, an die Regierung in Form von Konzessionsgebühren.

Übernachtung: Luambe Camp (1)

16.-17. Oktober 2018, Reisetag: 350-351
Lundazi, Sambia

„Ich glaube, wir können den Luangwa Park im Norden auslassen“, sagt Svenja im Auto bei der Abfahrt. „Das denke ich auch. Er soll schön sein. Vor allem aber für Safaris zu Fuß“, gibt ihr Hannes recht. Wir haben viele Wochen in Sambia verbracht, mehr Nationalparks gesehen und entlegenere Gegenden besucht, als die meisten uns bekannten Reisenden. Den Nordwesten mit seinen Sumpflandschaften lassen wir allerdings nicht ohne Wehmut weg. Sicher hätte es uns dort auch gut gefallen.

Stattdessen folgen wir der Hauptstraße nach Osten, Richtung Grenze zu Malawi. Nach Lundazi führt eine unangenehme Wellblechpiste mit vielen Schlaglöchern und endlos aneinandergereihten Dörfern. Für die 100 km in die kleine, schäbige Ortschaft brauchen wir 5 Stunden. Ein kleines einheimisch geführtes Hotel versprüht den ganzen Charme typisch afrikanischer „Business Hotels“. Sämtliche sanitären Einrichtungen sind falsch montiert, von der Elektrik funktioniert wenig, die Ausstattung ist mit üppigstem Kitsche versehen, einschließlich Stuck an den Decken und intensivster hässlicher Farben an den Wänden. Als wir am nächsten Tag mit Rückenschmerzen von der durchgelegenen Matratze aufbrechen, beschließen wir mal wieder, das nächste Mal lieber auf dem Parkplatz im Auto zu schlafen.

Nur eine kleine Strecke trennt uns noch von der Grenze nach Malawi. Alles wird dort unproblematisch von entspannten Beamten in der gewohnten Langsamkeit erledigt. Auch dass wir die Gebühren nur in Euro bezahlen können, den hier noch nie einer gesehen hat, wird letztlich irgendwie gelöst. Schmiergeld oder angebliche Extragebühren werden auch hier nicht verlangt, der Großteil der Mannschaft interessiert sich sowieso nicht besonders für uns. Zu groß ist die Hitze, bei der man lieber im Schatten Mühle mit Kronkorken als Spielsteinen spielt, als arbeitet.

Einen Schlagbaum weiter sind wir in Malawi, einem der ärmsten Länder der Erde. Das südliche Afrika haben wir auf unsere Reise endgültig hinter uns gelassen, vermutlich auch für eine sehr lange Zeit. Die Tierwelt dort werden wir nie vergessen. Nach allem was wir gesehen und gehört haben, wird es sie so bald nicht mehr geben.

Oft werden wir gefragt, welches der Länder in Afrika uns am besten gefallen hat. Eine schwierige Frage, auf die es natürlich keine pauschale Antwort gibt. Wir würden antworten: „Es kommt drauf an, was du sehen willst. Für die schönste Wüste würden wir nach Mauretanien fahren. Ein Land von unglaublicher Ursprünglichkeit und Gastfreundschaft ohne Vergleich. Wer es einsam will und auch gerne Tiere sieht, für den sind die Weiten Namibias sicher eine gute Wahl. Für Abenteuerlustige mit Reiseerfahrung, die Schwarzafrika in seiner ursprünglichsten Form sehen wollen, würden wir den Kongo empfehlen. Auch die Herzlichkeit der Menschen ist dort noch vom Tourismus unbeeinflusst. Um Tiere zu beobachten, ist Botswana sicher eine sehr gute Wahl. Allerdings dürfen einem die Preise und der organisierte Luxustourismus zumindest in den bekannteren Gebieten nicht stören.“

Seit heute gehört auch Sambia zu unserer Empfehlungsliste. Wo sonst erlebt man eine solche Vielfalt von Tieren in unterschiedlichsten Nationalparks und sensationellen Landschaften. Von South Luangwa abgesehen, hat man die Parks meist für sich allein. Die Eintrittspreise sind moderat, der Tierreichtum sehr gut. Und man erfährt hier Schwarzafrika noch so, wie es sein soll. Freundliche Menschen, ursprüngliche Dörfer und noch viel traditionellen Lebensstil. Darüber hinaus sind die Victoriafälle zumindest mit Wasser sicher ein Höhepunkt. Einziger Nachteil ist vielleicht, dass man viel Zeit braucht. Das Land ist groß, die Nationalparks weitläufig verteilt. Wir würden sofort wieder hinfahren.

Übernachtung: Tafika Lodge (5)

Was wir aus Sambia in guter Erinnerung behalten werden:

  • Tierreichtum und afrikanische Entspanntheit
  • Luangwa, ein Flusstal wie im Bilderbuch
  • Den Sicherheitsstandard der Kansanshi Mine.

Was uns weniger gut gefallen hat:

  • Der größte Wasserfall der Welt ohne Wasser
  • Große Fahrstrecken
  • Frühstücksdiebstahl der Meerkatzen.
  • Der größte Wasserfall der Welt ohne Wasser
  • Große Fahrstrecken

Reiseliteratur:

Reiseführer: Ilona Hupe: Reisen in Zambia [sic], 1. Auflage, München 2018. Unerlässlicher Führer. Die extra verkauften GPS Daten sind entbehrlich. Auch entlegenere Routen sind gut beschrieben.
Reiseführer: Ilona Hupe: Luangwa – Afrikas einzigartige Wildnis, Neuerscheinung, München 2016. Ein herrliches Buch über diese einmalige Gegend. Viel Hintergrundinformationen zu der zweiten Wahlheimat der deutschen Autorin.