Marokko

Marokko

 

Wir sind zum zweiten Mal in Marokko. Ziemlich genau vor einem Jahr haben wir das Land mit dem Mietwagen bereist. Mit dem eigenen Auto von Europa aus, ist es natürlich viel aufregender. Der afrikanische Straßenverkehr hat für uns durch diese Ouvertüre seinen Schrecken verloren. Respekt davor haben wir allerdings immer.

Die großen Städte, allen voran Marrakesch, haben uns sehr enttäuscht. Die damit assoziierte Atmosphäre von 1001 Nacht ist Geschichte, gewichen dem Massentourismus mit all seinen Auswirkungen in der schlimmsten Form. Mehr als entschädigt haben uns dafür die grandiosen, sehr vielfältigen Landschaften. Pechschwarze Steinwüsten vor der Kulisse der Schneegipfel des hohen Atlas, die ersten Sanddünen der Sahara und die Oasen mit ihren verlassenen, uralten Lehmdörfern. Auch das für uns so fremdartige Leben der Berber und Wüstennomaden hat uns fasziniert.
Auf möglichst direktem Nord-Süd Weg wollen wir diesmal auf einer anderen Routen fahren, Großstädte dabei möglichst meiden. Zwei, vielleicht drei Wochen hatten wir veranschlagt bis in den Süden des Landes und dann noch eine Woche dazu für die West Sahara, welcher Nation auch immer man diesen riesigen Streifen unwirtlicher Wüste politisch zurechnen will. Nicht viel Zeit für eine Strecke von gut 2.500 km Luftlinie bei 500 km Breite. Das reicht leider, wie in allen Ländern, nur für einen kleinen Eindruck.

31. Januar 2016 – 1. Februar 2016, Reisetag: 18-19
Torres del Mare, Spanien

Wir landen in Málaga und holen das Buschtaxi ab. Es steht noch genau wie abgestellt da, trotz leichten Erdbebens in der Zwischenzeit. Zum Glück. Da wir so zufrieden mit der Arbeit von Jesus waren, hat Hannes gleich einige Dinge zur Montage für ihn mitgebracht: Rückfahrkamera, Reifendruck Kontrollsystem, Außenthermometer und eine Off-road Halterung fürs Pad zur Navigation.

Am nächsten Morgen pünktlich um 9:30 Uhr stehen wir in der Werkstatt und bitten Jesus, uns die mitgebrachten Teile einzubauen. Er ist ein wenig überrascht über die vielen Teile, aber guter Laune. „Unser“ Frühstückscafé um die Ecke und die spanische Sonne heißen uns herzlich willkommen. Wir kennen die kleine Stadt nun schon ziemlich gut. Es zieht uns auf die Strandpromenade, auf der wir uns ausgiebig über diverse Themen unterhalten. Darunter die aktuelle Flüchtlingsthematik und deutsche Geschichte. Die Zeit vergeht dabei schnell und es werden ganze 11 Kilometer, ein halber normaler Wandertag.
Leider ist der Einbau aller Teile abends noch nicht fertig. Damit steht eine weitere Übernachtung an. Auf dem Weg ins Hotel spricht uns ein ausgewandertes Rentner Ehepaar aus der Schweiz an. Ihr Sohn komme in einigen Tagen nach Marokko und plane die gleiche Route wie wir in den Süden. Wir bekommen seine Mail Adresse und freuen uns über den Kontakt. Leider haben wir uns später in Marokko nicht getroffen. Wir hätten nicht gedacht, dass wir so schnell auf jemanden mit ähnlichen Plänen stoßen.

Übernachtung: Hotel Mainake (4)

2. Februar 2016, Reisetag: 20
Cabo Negro, Marokko

Morgens drucken wir im Hotel die Einreiseformulare für Marokko aus. Gut das Hannes, wie es sich für einen anständigen BWLer gehört, immer alles in Tabellen und Listen im Computer vorbereitet hat. Während Jesus die Kamera einbaut, sind wir mittlerweile Stammgäste im Café um die Ecke. Heute funktioniert alles und wir fahren mittags Richtung Algeciras, zur Fähre nach Afrika. Im Hafen sind wir fasziniert von den großen Containerfrachtern, die mit riesigen Kränen beladen werden. Es ist beeindruckend, wie viele Waren hier tagtäglich transportiert werden. Algeciras ist einer der größten Häfen Europas.

Unsere Fähre startet um 16 Uhr, das Ticket kostet 165 Euro. Außer uns ist kein anderer Tourist mit Off-road Auto dabei. In den Reiseforen war das ganz anders beschrieben.

An der schmalsten Stelle ist die Straße von Gibraltar nur 14 km breit. Kaum vorstellbar, aber wir können Afrika von hieraus sehen. Afrika wir kommen.

Die Überfahrt dauert eineindhalb Stunden, unsere Pässe werden schon auf der Fähre abgestempelt. So können wir im Hafen direkt zum Zoll fahren. Der neue Hafen Tangier Med funktioniert sehr effizient. Er ist ein marokkanisches Prestigeprojekt, das als Konkurrenz zu Algeciras ausgebaut werden soll. 45 Minuten dauert das Prozedere zur Einreise mit dem eigenen Auto. Wir haben uns auf viel Schlimmeres eingestellt. Mit großer Freude beobachten wir währenddessen den Hund, der die Autos auf Drogen beschnüffelt. Wir werden nur kurz begutachtet: „Bienvenue à Maroc“.

Nachdem es in der Nähe des Hafens keine gute Bleibe gibt, fahren wir noch in der Dämmerung nach Cabo Negro. Auf der Fahrt führt uns das Navi nachts direkt durch eine Marktstraße im Dorf, die nur so von Händlern, Frauen und Kindern wuselt. Es riecht nach verbranntem Müll und es sind jede Menge Tiere mitten auf der unbeleuchteten Straße. Willkommen in Afrika.
Der Wirt unserer Unterkunft empfängt uns herzlich. Ohne gemeinsame Sprachen können wir uns kaum unterhalten, woraufhin er seinen Block auspackt und mit großer Freude jede Menge Bildchen malt: Frühstück, Abendessen, aber auch politische Probleme, Wirtschaft und Religion. Ein echter Künstler und wir amüsieren uns prächtig. Ihm gebührt nächsten Tages zurecht die Ehre des ersten Eintrags in unser Gästebuch.

Übernachtung: La Ferma (2)

Zur Pension gehört ein ganzer Zoo. Svenja wird von den Gänsen gejagt.

3. Februar 2016, Reisetag: 21
Fez, Marokko

Morgens essen wir ein typisch marokkanisches Frühstück: Salziger Pfannkuchen, Fladenbrot mit Oliven, Olivenöl, Marmelade und Honig. Später in den Berberdörfern gibt es dazu noch ein Omelett mit Käse, Zwiebeln und Tomaten.

Unser erster Halt ist die Stadt Chefchaouen. Sie galt über Jahrhunderte als heilige Stadt, die Ausländern unter Androhung der Todesstrafe versperrt war. Die hat sehr zur Erhaltung ihrer mittelalterlichen Architektur beigetragen. Die weiss-blauen Häuser in der Medina und die engen Gassen erinnern an die von uns geliebten griechischen Kykladen Dörfer. Die blaue Farbe soll hier vor dem Bösen Blick schützen. In den 1960er Jahren war Chefchaouen die Hauptstadt des Haschisch. Die Umgebung ist auch heute noch Hauptanbaugebiet. Wir lernen den Unterschied zwischen Haschisch und Marihuana. Haschisch wird aus dem gepressten Harz der weiblichen Hanfpflanze (Cannabis) gewonnen. Marihuana dagegen aus den getrockneten Blättern. Beides ist nichts für uns. Heute soll der Konsum im Land auch stark zurückgegangen sein. In der Stadt wuselt es nur so von einheimischen Touristen. Trotzdem ist Chefchaouen nach den beiden Marokko Reisen für uns die schönste Stadt im Land.

Richtung Fez wird es ländlicher und kurviger. Wir sehen zum ersten Mal Bauern, die noch mit einem mageren Maultier ihre winzigen Felder pflügen. Die alten Frauen tragen auf ihrem Rücken meterhoch Holzzweige bergauf über viele Kilometer zum Dorf. Leider gibt es über 180 km bis nach Fez keine Unterkunft. Svenja ist es etwas mulmig. Es ist schon dunkel und auf den Straßen sind jede Menge junger Männer unterwegs. Sie sind wahrscheinlich alle sehr freundlich, aber wir brauchen ein paar Tage, um uns an das Land zu gewöhnen. Wild zu campen, trauen wir uns noch nicht. Hannes freut sich über die extra Laserscheinwerfer des Toyo, die jeden Hund und dunkelgekleideten Menschen taghell ausleuchten. Erleichtert erreichen wir nach vier Stunden fix und fertig Fez.

4. Februar 2016, Reisetag: 22
Azrou, Marokko

In der Medina von Fez treffen wir ein Deutsches Paar, das mit ihrem VW Bus unterwegs ist. Mit Steigeisen und Eispickel im Gepäck, möchte er alleine den Jbel Toubkal besteigen, den höchsten Berg Marokkos mit 4.167 Metern. Nichts für uns, wir wünschen ihm viel Erfolg.
Die Medina ist sehr authentisch, die angebotenen Waren sind, wie in Chefchaouen, einheimisch. Auch wenn das ein oder andere Paar Schuhe mit FC Bayern darunter zu finden ist. Esel tragen Gasflaschen durch die engen Gassen, an vollen Ständen wird gekocht. An allen Ecken warten falsche Führer – „Faux guides“ – junge Männer und versuchen, uns zu bedrängen und natürlich abzukassieren. Wir kommen dank Hannes direkter Art der Ablehnung immer gut davon und erkunden alles auf eigene Faust.

Wir kaufen noch frische Orangen für unterwegs und fahren Richtung Ifrane. Die Kleinstadt ist Zweitwohnsitz der Königsfamilie, mit einem ihrer neun Paläste in Marokko. Dies wird ziemlich deutlich durch die Prachtstraßen und Häuser, die in der Bauweise einem Schweizer Dorf ähneln.
In der Nähe der Stadt gibt es einen kleinen Campingplatz, auf dem wir die ersten Off-roader aus Deutschland treffen. Wir werden gleich zur Pasta eingeladen und über gute Routen und Erfahrungen unterrichtet. Die Tips helfen uns für die weitere Strecke. Das deutsche Paar fährt einen Steyr, den LKW des österreichischen Heeres. Der Laster mit Wohnkabine hat viel Platz. Das Bett ist immer gemacht und es gibt eine Küche, größer als in Svenjas Studentenappartement. Die Größe des LKW und vor allem seine 11 Tonnen schrecken uns aber ab. Später, als wir auf der ein oder anderen schwierigen Piste fahren, sind wir froh, in unserem „kleinen“ Buschtaxi zu sitzen.

Übernachtung: Camping Amazigh (3)

5.-6. Februar 2016, Reisetag: 23-24
Nähe Zaida, Marokko

Hannes vergisst den Zeitunterschied und weckt Svenja schon um 6 Uhr. Wir nutzen die Campingplatzdusche und freuen uns über das erste Frühstück im Buschtaxi. Alles noch ungewohnt, aber das Müsli mit Joghurt und Obst schmeckt als Abwechslung zum Marokkanischen süßen Frühstück herrlich. Es geht in den mittleren Atlas. Über Asphaltstraßen und Schotterpisten kommen wir durch Zedernwälder mit wilden Affen, tiefen Schluchten, roten Steinwüsten und Flusslandschaften. Marokko zeigt seine äußerst abwechslungsreichen Landschaften. Das Gebiet ist von Berberstämmen bewohnt, die mit Schafen, Ziegen und Eseln in ihren winzigen Hütten wohnen.

Von einem pensionierten Englisch Lehrer aus Meknes erfahren wir in seinem kleinen Restaurant, dass viele Berber hier wohlhabend sind. Sie besitzen einiges Land und manche um die 200 Tiere. Die Berber bevorzugen jedoch ihren traditionellen Lebensstil, ohne großen Haushalt oder Luxus nach europäischen Vorstellungen.
Die Kinder machen in ihrer schmutzigen Kleidung einen ärmlichen Eindruck, haben aber herrlich strahlende Gesichter. Leider bekommen sie von vielen Touristen Geschenke. Geld, Kleidung oder Stifte. Sobald sie ein ausländisches Auto sehen, rennen sie von weitem darauf zu und betteln. Ein negativer Lerneffekt, der nicht so leicht zu ändern ist. Geld von Touristen zu erbetteln ist einfacher, als zur Schule zu gehen. Wir entscheiden uns dagegen und winken nur freundlich zurück. Etwas, das wir auf der ganzen weiteren Reise so beibehalten werden, die mitgebrachten kleinen Haribo Tütchen essen wir später selber.
Der Lehrer erzählt uns viel, wir sind auch seit fünf Jahren die ersten ausländischen Touristen, die bei ihm Halt machen. Der durchschnittliche Monatslohn in Marokko liegt bei 150 Euro. Der jetzige König Mohammed VI. regiert seit 1999. Unter ihm hat sich Einiges im Land positiv entwickelt. Das Lehrergehalt wurde verdoppelt und die Infrastruktur ausgebaut. Marokko ist in Afrika Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Dieses Jahr wurde das erste Solargroßkraftwerk in Betrieb genommen. Bis 2020 sollen 40% des Strombedarfs aus Erneuerbaren Energien kommen, vor allem Wind- und Solarstrom.

Unterwegs fallen unsere Lüftung und der Blinker aus. Wir suchen nach den Sicherungen, kümmern uns aber lieber morgen bei Tageslicht darum.
Abends fängt es zu regnen an. Wir freuen uns für Marokko über den ersten Regen seit einem Jahr, es gibt kaum Gras für die Tiere. Gegen Ende des Tages haben wir einen tollen Blick auf den hohen Atlas, der dieses Jahr auch wenig Schnee hat.
Wir können uns an den Anblick vieler Esel und Pferde mit zusammen gebundenen Vorderbeinen nicht gewöhnen. Sie hüpfen wie auf einem Bein vor den kaum bremsenden Autos von der Straße. Uns fällt der Leitspruch einer von uns unlängst besuchten Wildtierstation in Guatemala ein: „The greatness of a nation and its moral progress can be judged by the way it treats its animals” (Mahatma Gandhi).
Wir verbringen den nächsten Tag mit Umräumen des Autos, Einkaufen, Wäsche waschen und Wassertank füllen. Dank des Werkstatt Handbuchs schafft es Hannes, die richtige Sicherung auszutauschen. Da sage mal jemand, er habe zwei linke Hände. Danke auch an Tom für die prompte Unterstützung.

Übernachtung: Hotel Ksar Timnaj (2)

7. Februar 2016, Reisetag: 25
Agoudal, Marokko

Es geht über den hohen Atlas, mit einer ersten Wasserdurchfahrt. Diese macht so viel Spaß, dass Hannes gleich umdreht und nochmal durchfährt. Dabei soll Svenja ihn filmen. Dummerweise ist der Akku genau dann leer, als das Wasser spritzt. Wir lernen auch, zuerst den Scheibenwischer einzuschalten und dann erst durch den Fluss zu fahren.

Später wird die Piste immer enger und plötzlich ist sie zu Ende, abgebrochen bei Hochwasser. Aha, die paar Steine viele Kilometer vorhin auf der Straße sollten das wohl anzeigen. Eine weitere Lektion für Afrika: mehrere Steine oder ein Ast quer über der Straße bedeuten: „nicht weiterfahren – Straße gibt es nicht mehr“.
Umdrehen kommt natürlich sportlicher Weise nicht in Frage, wir finden einen Zugang zum Flussbett und schlängeln uns hierin weiter. Das Wasser steht nicht hoch, aber durch die grossen Steine ist es für uns noch eine Herausforderung. Für unser Buschtaxi ist das, wie wir später lernen, eine leichte Übung. Wir haben Glück, als wir nach mehreren Kilometern wieder auf die Straße kommen und sind ein bisschen stolz: kein anderes Auto weit und breit ist diese Piste gefahren.
Die Kulisse im hohen Atlas ist fantastisch. Wir können ohne den üblichen Schnee über sonst gesperrte Pässe fahren. Die Berberdörfer mit traditionellen Lehmhäusern fügen sich wunderbar in die Landschaft ein.
Die Kinder kommen wieder in Horden zum Auto gerannt. Die Kleinen fragen nach Bonbons oder Stiften, die Älteren nach Zigaretten. Das ist das Einzige, was uns auf der Strecke etwas nervt.
Leider fällt im Laufe des Tages am Toyota wieder die Sicherung raus. Zu früh gefreut. Einige Versuche und viele Sicherungen später, ist die Ursache eingegrenzt: Die Sicherung fliegt immer dann, wenn wir den Rückwärtsgang einlegen. Dieser ist mit der neuen Kamera verbunden. Es kommt uns der Verdacht, dass es mit deren Einbau in Spanien zu tun haben muss. Wir schreiben Tom eine Mail, in der wir uns kaum davon zu beichten trauen. Er hat uns mehrmals ans Herz gelegt, niemandem an dem Auto rumschrauben zu lassen. Vorerst müssen wir ohne Lüftung, Klimaanlage und Blinker auskommen. Momentan hält uns das nicht auf. Auf unsere Route treffen wir kaum Autos und notfalls halten wir zum Abbiegen den Arm aus dem Fenster. Statt der Lüftung machen wir das Fenster auf. Bis zur Sahara ist es ohne Klimaanlage noch kein Problem.
Wir übernachten in den Bergen bei den Berbern. Sie halten die Kälte gut aus, viele tragen nicht mal Socken. Uns friert es auf alle Fälle, ohne Heizung nachts um die 0 Grad.Übernachtung: Auberge Ibrahim (3)

8. Februar 2016, Reisetag: 26
Boumalne-du-Dades, Marokko

Heute war Svenjas schlimmste Nacht, die Kälte sitzt ihr in allen Gliedern und ihr Gesicht friert fast ein. Aus Mitleid zünden die Berber beim Frühstück einen kleinen Gasbrenner an, kein wesentlicher Gewinn bei dem großen Raum. Wir fragen uns, wie die Leute in den Bergdörfern zurechtkommen, wenn sie im Winter vermutlich lange eingeschneit sind. Es gibt weit und breit kein Brennholz.
Svenjas Stimmung hellt sich mit den ersten Sonnenstrahlen bei der Weiterfahrt über den hohen Atlas auf.

Es geht durch das spektakuläre Dades Tal. Wir haben Glück, marokkanische Berggämsen zu sehen. Die majestätischen Tiere sind ähnlich groß und gebaut wie Antilopen, haben aber Hörner wie Steinböcke. Die Landschaft ist von karger Schönheit, sie ähnelt Mars Aufnahmen. Tief zerklüftete Felsen sind von tiefroter Erde umrahmt, nur hier und da gibt es ein paar einsame, karge Büsche. Hannes meint, die Schlucht könne mit dem Grand Canyon mithalten.

Talabwärts über den hohen Atlas ändern sich Klima und Natur schlagartig. Wir sehen die ersten Palmen und blühende Mandelbäume. Auch die Dörfer und Häuser verändern sich. Architektonische Vorbilder der Gebäude sind die alten Ksars der Nomaden, zu Wehrburgen ausgebaute Wohnhäuser mit von weitem sichtbaren Zinnen aus leuchtend rotem Lehm. Diese Region ist eines der touristischen Hauptziele Marokkos. Es gibt entsprechend viele kleine Hotels.

Wir bekommen in einer Werkstatt den richtigen Imbusschlüssel und suchen erfolglos nach dem Fehler im Kameraanschluss. Alle herbeieilenden „Automechaniker“ sind bemüht, uns zu helfen. Wir lehnen die mit Händen und Füßen vorgeschlagenen diversen Verbesserungsmaßnahmen aber dankend ab.
Der Wirt unserer Unterkunft ist sehr herzlich und unterhält uns mit seinen Erzählungen. Er hat studiert und war einige Male in Frankreich und Italien. Sein kleines Hotel betreibt er als Ecolodge und engagiert sich auch in der Umgebung für den Umweltschutz. Es soll derzeit ein neues Gesetz zum Verbot aller Plastiktüten in Marokko erlassen werden. Er hat den Imam der Stadtmoschee davon überzeugt, gegen das wilde Wegwerfen von Plastikmüll zu predigen. Zudem bekommt Bildung einen immer höheren Stellenwert, die Bewohner der kleinen Stadt haben in Eigeninitiative einen Kindergarten gegründet. Es gibt eine High-School und ein College in der Nähe. Durch mehr Bildung gelingt es auch, die Kinder vom Betteln abzuhalten. Ein Umstand, der uns bei der Anfahrt schon positiv auffiel. Die Berberdörfer in den Bergen seien diesbezüglich noch nicht so weit.
Es ist eine der wichtigen Erkenntnisse aus unseren Reisen: Jeder Tourist sollte die Auswirkungen aller seiner Verhaltensweisen in fremdem Ländern überdenken. Viele uns arm erscheinende Berber haben Besitz und führen nach ihrer Wahl ein ruhiges und gutes Leben. Wie so oft lernen wir, die Dinge nicht aus unserer eigenen, westlichen Perspektive zu bewerten. Armut und Zufriedenheit werden hier nach andern Kriterien gemessen. Für Svenja ist es trotzdem nicht zu verstehen, warum man keine Heizungen einbaut, obwohl man die finanziellen Mittel dazu hat.
Der Wirt bringt uns abends Eisenkrauttee, als Svenja ihm erklärt, sie könne nach dem marokkanischen Tee nicht schlafen. Das ginge vielen so. Das Eisenkraut wächst bei ihm im Garten und wirkt hervorragend.Übernachtung: Cabah d`hotel La Jeanne Tourime Ecologique (2)

9. Februar 2016, Reisetag: 27
Zagora, Marokko

Heute erleben wir viele Höhepunkte. Die Fahrt von Boumalne-du-Dades ist schon spektakulär. Dabei sehen wir die ersten Kamele und es wird immer sandiger. Aber als wir auf eine Piste zur Passhöhe abbiegen, kommen wir aus dem Staunen nicht heraus. Die Hochebene vor der Dra Schlucht ist einfach atemberaubend. Am höchsten Punkt sitzen wir auf den Felsen und lauschen der vollkommenen Stille. Der Blick über die Schlucht bis zu den orange leuchtenden ersten Sanddünen der Sahara am fernen Horizont ist unbeschreiblich.

Immer wieder tauchen kleine gestreifte Tiere auf, die Eichhörnchen ähneln. Wir taufen sie zum Spaß Atlashörnchen und lesen später, dass sie tatsächlich so genannt werden. Sie erinnern uns an die von uns und Janosch so geliebten Murmeltiere der Alpen.
Die Strassen werden immer staubiger, das Auto und auch wir sehen schon etwas gebrauchter aus. Durch die Serpentinen der Buckelpiste erreichen wir im Tal eine herrliche Oase. Die Mandelbäume blühen zwischen Palmen. Eine Kulisse für einen Kitsch Film. Wir sind genau im richtigen Monat der Mandelblüte hier.
Gegen Nachmittag erreichen wir wieder die Hauptstrasse und fahren noch einige Kilometer ins Dra Tal. Es ist weitläufiger als das Dades Tal, vielleicht weniger spektakulär, aber dennoch lohnend.
Auf dem Weg fällt Hannes plötzlich die Lösung für unser Sicherungsproblem ein. Beim Ausprobieren des neuen Radios hat er natürlich wie immer an allen Einstellungen herumgespielt. In der Software lässt sich auch die Polarisierung der Eingänge verändern. Wir stellen diese zurück und die Sicherung hält ab jetzt. Jesus wurde von uns falscherweise verdächtigt, er hat alles optimal installiert. Nur unsere eigene Dummheit hat uns tagelang Sorgen bereitet, wie wir durch Afrika ohne Klimaanlage kommen.
Der Tag endet als einziges Fahrzeug auf einem Campingplatz unter Palmen mit selbstgekochter, herrlicher Pasta a la Hannes. Einfach ein Traumtag.Übernachtung: Campingplatz L`Oasis de Enchantée (2)

10. Februar 2016, Reisetag: 28
Camping Wüste bei Erb Chegaga, Marokko

Morgens gegen fünf werden wir vom Muezzin geweckt. „Allah u Akbar, Allah u Akbar. Ash-hadu al-la Ilaha ill Allah, Ash-hadu al-la Ilaha ill Allah. Ash-hadu anna Muhammadan Rasulullaah. Hayya la-s-saleah, Hayya la-s-saleah. Hayya la-l-faleah, Hayya la-l-faleah. Allahu Akbar, Allahu Akbar. La Ilaha ill Allah“
„Gott ist groß, Gott ist groß [größer als alles und mit nichts vergleichbar].  Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott. Ich bezeuge, dass Muhammed Gottes Gesandter ist. Eilt zum Gebet, Eilt zum Gebet. Eilt zur Seligkeit, Eilt zur Seligkeit/zum Erfolg. Gott ist groß, Gott ist groß. Es gibt keine Gottheit außer Gott.“
Begleitet wird das Gebet vom dazu harmonisch jaulenden Hund. Gleich danach krähen die Hähne, bellen alle Hunde und dann geht die Sonne auf. Wir haben uns schon daran gewöhnt und an manchen Tagen hören wir es nicht mehr.
Als Ergänzung zum Reiseführer verwenden wir die App “Campingführer Marokko 2016” von Edith Kohlbach. Die Software hat sich für uns gelohnt. Wir finden damit schöne Campingplätze und wilde Stellplätze. Auch eine Werkstatt in Zagora wird darin empfohlen. Dort lassen wir das Auto abschmieren und die Filter säubern, schon nach 5.000 statt der empfohlenen 10.000 km. Der Toyo soll gut gepflegt sein vor der Sahara. Natürlich beobachtet Hannes jeden Arbeitsschritt ganz genau. Ali, der Inhaber der Werkstatt hat in Frankreich gelernt, die Rallye Paris-Dakar als Mechaniker begleitet und nach deren Ende in Afrika den eigenen Betrieb eröffnet. Sämtliche europäische Off-Roader und auch Wohnmobile suchen hier Hilfe.

Jetzt kurz vor der Wüste decken wir uns am Markt mit allen möglichen Leckereien und viel Wasser ein. Man weiß nie, wann wir wieder dazu kommen.

Hannes finden im Netz eine GPS Route, die nicht auf der Haupttouristenpiste durch die Wüste führt. Natürlich nehmen wir diese und biegen vor dem letzten Ort “Mhamid” rechts in die Sandwüste ab. Kurz davor blinkt uns ein Land Rover an. Ein Schweizer Paar, das sich uns anschließen will, da es kein GPS hat. Wir garantieren hinsichtlich des Wegs für nichts, sind aber mit ihnen zwei Autos. Ein Umstand, der Svenja sichtlich beruhigt.

Die richtige Piste ist trotz GPS nicht leicht zu finden, wir fahren kreuz und quer zunächst durch Schotter und Steppe. Nach einigen Kilometern wird es immer sandiger und Zeit, die Luft aus den Reifen zu lassen. Durch Tiefsand fährt man mit fast platten Reifen, etwa 1 bar Luftdruck, über Pisten mit 2 bar und auf Asphalt mit 3 bar, wurde uns erklärt. Um die Reifen unterwegs aufzupumpen, gehört der eigene tragbare Kompressor zur Standardausrüstung der Geländefahrer.

Am späten Nachmittag erreichen wir die ersten Sanddünen. Marcello, der Schweizer, ist schon öfters durch die Dünen gefahren. Wir fahren ihm hinterher. Am ersten Steilhang bleiben wir stecken. Wir graben, setzten die Sandbleche ein und der Land Rover zieht uns raus.

Wir unternehmen einen zweiten Versuch, bleiben gleich wieder stecken. Es ist noch zu viel Luft in den Reifen, sicher fehlt es uns auch an Erfahrung und der Toyo ist zu schwer für Dünensurfing nach Marcellos Geschmack. Das ist nicht unser Fall. Später erfahren wir, dass zur gleichen Zeit ein leichtsinniger Deutscher mit Land Rover in Mauretanien bei einer zu hohen Düne umgekommen ist.
„Learning by doing“ mit langsamen Herantasten an größere Aufgaben ist generell unsere Herangehensweise auf Reisen. Die Art anderer Reisender passt für uns oft nicht. Als wir uns auch später anderen anschließen, stoßen wir öfters auf Probleme als alleine, sei es mit den Umständen oder den Behörden. Das mag an Reiserfahrung oder an unserer eher ruhigen, vorsichtigen Art liegen. Viele Touristen benehmen sich, für uns unverständlich, im Ausland auffallend anders als zu Hause. Besonders schlampige Kleidung, übertrieben kumpelhafter Umgang mit der Polizei und Einheimischen, Alkohol und Autofahren fanden wir noch vergleichsweise harmlos. Den Konsum von selbst eingeschmuggeltem Marihuana und hartem Alkohol in Mauretanien, einer Islamischen Republik mit martialischen Strafen finden wir dagegen weniger lustig.
Für heute haben wir vom Sandfahren genug und stellen uns zwischen den Dünen ab.

Zu unserer Freude haben wir einen Koch mitgenommen. Marcello hat in der Schweiz ein eigenes Restaurant. Er bereitet über dem offenen Feuer ein ganzes Stück Lamm, frisch vom Markt, dazu gibt es Gemüse und Salat. Olivenöl, Salami und Parmesan hat Marcello aus der Schweiz mitgebracht. Die drei Stunden Zubereitungszeit haben sich gelohnt, wir machen eine der seltenen Ausnahmen von unserer fleischlosen Ernährung. Nach dem herrlichen Essen sitzen wir am Lagerfeuer unter einem unbeschreiblichen Sternenhimmel. Die Wüste hat etwas schwer zu Begreifendes, Faszinierendes.

Übernachtung: Camping in der Wüste zwischen den Dünen (1)

11.-12. Februar 2016, Reisetag: 29-30
Foum Zguid, Marokko

Bis wir den Weg aus den Dünen auf die Piste finden, vergeht eine gute Stunde. Hannes ist am Ende mit den Nerven und erleichtert, wieder auf einer sichtbaren Spur zu fahren. Sie führt vorbei am Erg Chegaga, mit 150 km2 das größte Stück Sandwüste in Marokko. Die höchste Düne ist gut 100 Meter hoch. Marcello will unbedingt noch mit dem Auto im Sand fahren. Wir machen mit seiner Begleitung lieber eine Mittagspause in einem der Wüstencamps. Der rote Land Rover verschwindet alleine in den Dünen. Uns tut die Pause in der Mittagshitze gut, bei „nur“ 35 Grad im marokkanischen Winter. Wir sind wieder im richtigen Monat hier. Die Sahara im Sommer ist kaum vorstellbar, es ist für uns jetzt schon heiß.
Die Wüste ist entgegen der Vorstellung Vieler abwechslungsreich. Neben Sand in Farbnuancen von dunkelorange bis weiß in unterschiedlichsten Dünenformen fahren wir durch Steinwüsten, ausgetrocknete Salzseen und Dörrbuschfelder. Es überrascht uns, wie viel Leben es in der Wüste gibt. Wir sehen Käfer, Echsen, Libellen und viele Falter. Nach dem Abwasch bildet sich unter dem Auto ein kleiner See, ein Wasserloch, das jede Menge krabbelnder Tiere anlockt.
Heute übernimmt Svenja zum ersten Mal im Sand das Steuer des Toyo. Normalerweise wechseln wir uns beim Fahren immer ab. Die Piste ist tief sandig, aber gut machbar für unser Auto. Das Fahren macht großen Spaß, vergleichbar mit Tiefschnee beim Skifahren. Svenja ist im Glück, auch wenn Sie anfangs einige Male den Motor abwürgt. Nach der Sandpiste geht es durch einen ausgetrockneten Salzsee. Es fühlt sich unrealistisch an, wirklich hier zu sein ohne irgendeinen Orientierungspunkt außer den Luftspiegelungen am unendlich weit erscheinenden Horizont.

Wir passieren einen völlig einsamen Militärposten. Die Kontrolle ist unproblematisch, die Soldaten sind sehr freundlich, überfliegen nur unsere Pässe und wünschen uns mit „Germany very good country“ eine gute Reise. Wir sind auf Reisen nicht nur hier froh, den Pass einer weltweit überwiegend gerne gesehenen Nation zu haben.
Die weitere Waschbrettpiste aus der Wüste nach Foum Zquid ist unangenehm zu fahren. Wir werden stundenlang durchgerüttelt. Noch im Sonnenuntergang kommen wir kurz vor dem Ort endlich auf Asphalt, welch ein Unterschied nach zwei Tagen ohne Straße. Mit einem luxuriösen Hotel nördlich von Foum Zguid ist unsere erste Wüstentour beendet. Mal sehen, wie lange wir genug vom Sand haben, der befindet sich auf alle Fälle überall im Auto, in Ohren, Nase und in allen unseren Sachen.
Nach dem Ausschlafen entscheiden wir uns für einen Tag am Pool. Svenjas Yogamatte ruft. Ein Luxusaufenthalt am Rande der Wüste.Übernachtung: Hotel Bab Rimal (1)

13. Februar 2016, Reisetag: 31
Blaue Steine, Marokko

Auf dem Weg Richtung Icht wird klar, wir sind hier auf einer Hauptroute der Touristen. Nicht nur die Straße ist neu geteert, es kommen uns auch viele, vorwiegend französische Joghurtbecher entgegen. Einige Kilometer nach Agerd Tamanarte biegen wir gerne wieder auf eine Piste ab. Ohne Eintrag in Karten oder GPS ist es an manchen Stellen nicht so einfach, den Weg zu finden. Wir sind auch immer wieder erstaunt, welche Piste der Toyo selbst ohne den zuschaltbaren Allradantrieb und Untersetzung meistert.
Die Gebirgsketten dieser Gegend sind unverkennbar vulkanischen Ursprungs. Deutlich sind die Strukturen des ehemaligen Lavaflusses im Gestein sichtbar.

Kurz vor der Dunkelheit erreichen wir noch die „Painted Rocks“ und finden etwas abseits der anderen Camper ein stilles Plätzchen.

Übernachtung: Wildes Campen bei den blauen Steinen (1)

14. Februar 2016, Reisetag: 32
Tadart, Marokko

Vor dem Frühstück kraxeln wir bei Sonnenaufgang auf die großen Felsen. Die riesigen Steine erinnern uns an Obelix Hinkesteine. Ihre runden Formen sind von Regen und Wind aus dem Granit geschliffen. Der belgische Künstler Jean Verame bemalte 1984 einige Granitblöcke mit leuchtend bunten Farben. Dies zog viele Touristen an, weswegen die Bevölkerung bis heute die Steine immer wieder neu bemalt. Auch wenn es künstlerisch ansprechend ist, gefallen uns die Naturfarben besser.

Nachmittags wandern wir durchs Ammelntal, das den Namen eines alten Berberstammes trägt. An der Südflanke des kleinen Gebirgszuges sind viele alte Lehmdörfer aneinandergereiht.

Wir kommen an ein kleines Museum in einem traditionellen Berberhaus. Die Lehmhäuser der Berber sind dreistöckig. Im Erdgeschoss wird das Vieh gehalten, im zweiten Stock sind die Schlaf- und Essräume der Familie und im dritten Stock ist der Gästeempfang mit separatem Eingang und dem schönsten Zimmer des Hauses mit Terrasse. Ein Beleg für den hohen Stellenwert, den die Gastfreundschaft hier immer hatte.
Uns werden die alten Werkzeuge gezeigt. Darunter sind Ölmühlen zum Zerreiben der Früchte des Arganbaums. Eine Bittermandel, die nur hier und in Algerien vorkommt. Das Öl wurde kürzlich zur Kosmetikmode in den USA. Auch die unglaublichen gesundheitlichen Vorteile werden gepriesen. Tatsächlich ist die Qualität dem Olivenöl weit unterlegen, bei zehnfachem Preis. Die Berber freuen sich trotzdem über den Erfolg und haben mit königlicher Unterstützung eine Kooperative zur Erhaltung der traditionellen Anbauweise errichtet und dennoch den Ertrag vervielfacht.

Daneben sehen wir Wassersäcke aus Ziegenhaut und archaisch anmutende Webstühle. Die Teppichherstellung ist die traditionelle Winterarbeit der Frauen. Die uralte Schrift der Berber hat sich mit einigen altgriechischen Buchstaben seit der Antike erhalten. Nach langem Verbot wir der Erhalt der Sprache vom Staat wieder gefördert.

Übernachtung: Kasbah Chez Amalyia (2)

15. Februar 2016, Reisetag: 33
Ifentar, Marokko

Richtung Agadir überqueren wir den Anti Atlas. Wir haben damit die drei Teile des Atlasgebirges durchquert. Vom mittleren Atlas, über den hohen Alas, wo wir für die Jahreszeit untypisch keinen Schnee hatten, zum Anti Atlas. Uns hat der hohe Atlas mit seinen spektakulären Schluchten und Steinfarben am besten gefallen. Auch die Berberdörfer waren dort noch am ursprünglichsten. Wir hatten auch großes Glück. Eine Woche später ist eine Kaltfront mit heftigem Schnee durch das Gebirge gezogen. Später haben wir in einem Großmarkt die abfahrenden LKW mit Hilfslieferungen für eingeschneite Dörfer gesehen.
Wir kommen auf dem Weg vorbei an einer 700 Jahre alten Kasbah, einer arabischen Festung.

Nachmittags besuchen wir das SOS Kinderdorf in Agadir. Seit den frühen 80er Jahren ist die Organisation mit heute fünf Dörfern in Marokko aktiv. In Agadir hat das Dorf 14 Familienhäuser mit jeweils acht Kindern und einer Kinderdorfmutter. Sie hat im Monat nur sechs Tage frei, in denen sie durch eine Vertretung abgelöst wird. Die Kinder besuchen Schulen in der Umgebung und bekommen im Kinderdorf zusätzliche Förderung, wie Kunstunterricht, Sport, Theater und psychologische Unterstützung. Das Dorf macht auf uns einen sehr gepflegten Eindruck. Die Kinder haben hier bessere Chancen und Bildungsmöglichkeiten als einige Kinder in den Berberdörfern, durch die wir gefahren sind.
Der Tourismus wird in vielen afrikanischen Ländern heute als ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung gesehen. Er stellt aber auch eine Bedrohung für den schwächsten Teil der Bevölkerung dar, vor allem in den Großstädten. In Agadir treiben Armut und Vernachlässigung viele Kinder und junge Menschen in die Sexindustrie.
Zudem ist Analphabetismus ein großes Problem. Schätzungsweise 1,5 Millionen Kinder zwischen neun und fünfzehn Jahren besuchen keine Schule.
Wir spenden dem Kinderdorf die Erneuerung der Gasversorgung eines Hauses.Übernachtung: La Palmeraie de Massa (3)