Gambia/G.Bissau

Gambia/Guinea-Bissau

16. März 2016, Reisetag: 63
Soma, Gambia

Die Grenze zu Gambia ist seit vier Wochen wieder einmal geschlossen. Der Grund ist die alljährliche Streitigkeit zwischen dem senegalesischen und dem gambianischen Zoll über die Höhe der LKW Abgaben. Für Touristen gilt die Schließung angeblich nicht, weshalb wir unser Glück versuchen.
An der Hauptgrenzstation stehen die LKW Schlange und es herrscht viel Trubel. Bei der Zollstation heißt es noch, für Touristen sei es kein Problem. Die Polizei besteht allerdings darauf, dass kein Auto mehr die Grenze passieren dürfe. Wir sollen das Auto stehen lassen, zu Fuß über die Grenze gehen und öffentlich weiterfahren. Dass wir nicht zurückkommen wollen, sondern auf dem Weg Richtung Südafrika sind, ist den Polizisten nicht zu vermitteln.
Wir telefonieren mit dem Mann, der uns in St. Louis mit seinen Zollkontakten weitergeholfen hat. Er meint, wir sollen an den Grenzübergang Farafeni im Landesinnern fahren, da kenne er den Chef des Zolls. 160 km später sagt hier die Polizei, es sei kein Problem, aber der Zoll besteht auf die Grenzschließung. Nach mehreren Telefonaten der Beamten mit unserem Helfer können wir ohne zu bezahlen die Grenze passieren. Nach neun Stunden bei 38 Grad sind wir endlich in Gambia, dem kleinsten Land Afrikas. Der aus einer englischen Kolonie hervorgegangene Staat liegt von allen Seiten umschlossen mitten im Senegal. Grund dafür waren die Kolonialstreitigkeiten zwischen England und Frankreich. Gambias Grenzen wurden definiert durch die Reichweite der englischen Schiffskanonen auf dem Gambia Fluss. Bis heute ist das Verhältnis der beiden Länder gestört.
Da wir uns in der Grenzstadt nicht wohl fühlen, fahren wir noch bei Dunkelheit weiter zu einer kleinen Fähre, die uns auf die andere Seite des Gambia Flusses bringt. In einem Pfadfindercamp finden wir spät abends noch ein Bett und freuen uns über das einzige Essensangebot im Dorf: Fish & Chips. Offensichtlich war hier eine englische Kolonie.

Übernachtung: Pfadfinder Camp (3)

17. März 2016, Reisetag: 64
Sukuta, Gambia

Die Fahrt nach Janjanbureh (ehemals „George Town“) empfinden wir als Zeitverschwendung. Die wenigen noch vorhandenen Kolonialbauten sind verfallen. Die Bewohner haben in einem der Häuser ein „Museum“ zum Sklavenhandel eröffnet. Seit Alex Haleys Erfolgsroman „Roots“ erlebt Gambia einen stetigen Strom vorwiegend amerikanischer Touristen, die sich auf „Loneley Planet‘s“ Spuren für die Orte aus dem fiktiven Buch interessieren. In Wahrheit spielte Gambia keine große Rolle im Sklavenhandel. Die Einheimischen freuen sich trotzdem über die Einnahmen. Wir verzichten auf den Besuch dieses „Museums“.

Viel besser gefallen uns die Senegambia Steinkreise in Wassu. Die Anlage geht vermutlich zurück auf die Zeit um 750 n. Chr. Ihr Zweck ist unklar. Die Theorien reichen von Grabstätten über die Überbleibsel eines Ahnenkults bis hin zu einer astronomischen Stätte zur Sonnenverehrung.

Wir haben keine Lust, auf der Strecke zu übernachten und fahren bei Dunkelheit bis nach Sukuta an die Küste.Übernachtung: Sukuta Camping (3)

18-20. März 2016, Reisetag: 65-67
Sukuta, Gambia

Unsere Hoffnung auf einen idyllischen Strand wird enttäuscht. Die ganze Region ist geprägt vom allgegenwärtigen Sextourismus. Das von Deutschen betriebene, vielgelobte Sukuta Camping hat seine besten Zeiten hinter sich. Wir fühlen uns nicht wohl. Zudem hören wir jeden Tag Nachrichten über neue Ebola Fälle in Guinea. Die deswegen angeblich geschlossenen Grenzen machen unsere geplante Route über Guinea, Sierra Leone und Liberia fraglich.
In der wenig einladenden Hauptstadt Banjul kaufen wir neue Straßenkarten für alternative Routen. Später im Camp treffen wir eine polnische Familie. Sie sind zum zweiten Mal von Kapstadt nach Polen unterwegs. Letztes Jahr durch Ostafrika, heuer auf der Westroute. Als sie von den Grenzschließungen erfahren haben, fuhren sie ohne Visum über die wilde Grenze durch Mali. So mutig sind wir nicht und planen einen legalen Weg um Guinea.

21. März 2016, Reisetag: 68
Ziguinchor, Senegal

An der Süd-Grenze zwischen Gambia und Senegal sitzen viele Beamte nichts tuend herum. Ziegen und Schafe meckern und trotten über die Straße. Ein paar Frauen verkaufen Eier, Nüsse und Softdrinks. Auch diese Grenze ist wegen des Zollstreits immer noch geschlossen. Entsprechend wenig ist hier Betrieb.
Der senegalesische Grenzbeamte behauptet, unsere Papiere seien nicht in Ordnung. Wir müssten zurück nach Dakar und einen Stempel holen. 600 km zurück zu fahren, noch dazu über die angeblich ja auch für uns geschlossene Nordgrenze, kommt natürlich nicht in Frage. Sogar unseren Vorsatz, keine Bestechungsgelder zu bezahlen, brechen wir. Überraschenderweise möchte er kein Geld, sondern besteht auf den Stempel aus Dakar. Sein Chef sei nicht hier und er könne nichts entscheiden. Wir sind jetzt schon etwas geübter und bitten erneut unseren Kontakt in St. Louis um Hilfe. Gerade jetzt sind beide Handy Akkus leer. Wir finden in einem kleinen Laden eine Steckdose. Nach der ersten Antwort reißt das Gespräch ab, das Guthaben unserer SIM-Karte ist aufgebraucht. Wir üben uns weiter in afrikanischer Geduld, kaufen eine neue Karte und bekommen schließlich die erhoffte Hilfe über das Telefon. Als wir das Gespräch weiterreichen wollen, ist der zuständige Grenzbeamte zum Mittagessen und anschließend zum Beten.
Unsere Stimmung ist mittlerweile auf dem Tiefpunkt. Es ist heiß und stinkt nach Ziegen, Fisch und Schweiß. Kinder betteln und Frauen unterhalten sich lautstark. Wir vegetieren in der Hitze vor uns hin. Einen anderen Grenzübergang gibt es leider nicht. In Afrika weiß man nie, was der nächste Tag bringt, welche Grenze gerade schließt oder was es für neue Regelungen und Konflikte gibt. Auch das ist ein Aspekt des „This Is Afrika“.

Nach vielen Stunden bekommen wir endlich ein Transitvisum für gerade einmal 24 Stunden. In dieser Zeit müssen wir die Grenze zu Guinea-Bissau passiert haben. Die von uns geplante Besichtigung der Casamance, der ursprünglichsten Region Senegals südlich des Gambia Flusses, ist damit nicht mehr möglich. Auf dem schnellsten Weg fahren wir in die Stadt Ziguinchor, dort soll es das Visum für Guinea-Bissau problemlos geben. Das wenige, das wir von der Casamance sehen, gefällt uns sehr. Viele ursprüngliche Dörfer liegen am Straßenrand, in denen die Frauen das Wasser auf dem Kopf vom Brunnen holen. Überall sehen wir Mangobäume mit grünen Früchten. Erntereif sind sie hier leider erst Anfang April. Die kleine, sehr freundliche Stadt Ziguinchor ist uns ebenso sympathisch.
Schade, wir hätten gerne mehr von der Casamance gesehen.Übernachtung: Le Flamboyant (2)

22. März 2016, Reisetag: 69
Bissau, Guinea-Bissau

Die Botschaft von Guinea-Bissau ist, wenn man ein schickes Botschaftsgebäude erwartet, leicht zu übersehen. Wir fragen uns durch und entdecken den wenig repräsentativen Bau zwischen typisch afrikanischen „Auto Werkstätten“ und Ziegen.

Es ist 9:30 Uhr. In Afrika haben wir die Erfahrung gemacht, nicht schon bei Öffnung vor der Tür zu stehen. Es ist besser, die Beamten erst eine Tasse Kaffee trinken zu lassen. Das Büro ist klein und einfach eingerichtet. Christusbilder, katholische Sinnsprüche und ein alter Wedel aus einem afrikanischen Aberglauben hängen an der Wand. Vor dem übergewichtigen Beamten liegt eine Schachtel afrikanischer Potenzmittel neben Rosenkranzketten. Beides steht hier augenscheinlich nicht im Widerspruch.
Ohne Probleme bekommen wir das Visum und verlassen die Botschaft nach 30 Minuten. Auch die Grenze zu Guinea-Bissau passieren wir ohne Hindernisse.
Guinea-Bissau zählt laut dem Human Developement Index zu den geringst entwickelten Ländern weltweit. Die amtliche Landessprache ist Portugiesisch. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ist in der Landwirtschaft tätig. Deren Hauptprodukt ist mit Abstand die Cashew Nuss. Die wirtschaftliche Produktivität bewegt sich auf dem Niveau einer Selbstversorgungswirtshaft.
Wir empfinden die Schere zwischen Arm und Reich als nicht so groß, wie im Senegal. Die ländliche Bevölkerung wohnt in gut gebauten Steinhäusern, die wesentlich bequemer aussehen, als die Lehmhütten Senegals. Wir sehen überall Cashewbäume, deren Nüsse am Straßenrand verkauft werden.
Noch am selben Nachmittag fahren wir in der ansehnlichen Hauptstadt Bissau zur Botschaft Guineas. Die Adresse aus dem Internet stimmt nicht und obwohl die Botschaft schon vor vielen Jahren umgezogen ist, kennt kein Einheimischer den neuen Standort. Dennoch schickt uns jeder mit Bestimmtheit an die gleiche Adresse. Dort endlich angekommen, weht vor dem Gebäude die Flagge Angolas. Eine weiterere Lehre, die wir auf unserer Reise machen: Viele Afrikaner sagen aus Höflichkeit immer „ja“, auch wenn sie auf die Frage keine Antwort wissen.
Der Chauffeur des angolanischen Botschafters will uns den richtigen Weg zeigen und fährt mit uns. Alleine finden wir es vermutlich nie. Um 14 Uhr stehen wir an der richtigen Botschaft, die aber um 15 Uhr schließt. Unser neuer angolanischer Freund überredet das Botschaftspersonal, uns innerhalb einer Stunde die Visa auszustellen.
Die Beamten wollen Kopien aller Dokumente. Pässe, Führerscheine, Fahrzeugschein, Versicherung, Gelbfieberimpfnachweis und dazu zwei Passbilder. Gott und unserem PC sei Dank, haben wir ja mittlerweile unsere „internationale Versicherungsbescheinigung“. Svenja spurtet zu einem Supermarkt, in dem ein kleiner Kopierer steht, während Hannes den Chauffeur zurückfährt. Tatsächlich bekommen wir um 15:15 Uhr unsere Visa für Guinea. Zwei Visa an einem Tag, welch eine gute Ausbeute.
Übernachtung: Hotel Diarama (2)

23. März 2016, Reisetag: 70
Nationalpark Niokolo Koba, Senegal

Obwohl die Epidemie vorbei ist, gibt es in Guinea wieder ein paar neue Ebola Fälle und die Grenzen zu Sierra Leone und Liberia wurden tatsächlich schon geschlossen. Wir machen uns keine Sorgen, uns mit Ebola anzustecken. Allerdings könnte ein Stempel im Pass die Einreise in weitere Länder erschweren. Uns kommt auch der, sicherlich nicht reale, Gedanke an die Sicherheitsquarantäne nach dem Heimflug in einem Plastikzelt des Tropeninstituts in Hamburg.
Wir überlegen hin und her und entscheiden uns gegen unsere geplante Route. Es bleibt nur eine gute Alternative. Wir fahren von Guinea-Bissau durch das Hinterland wieder zurück an die östlichste Grenze des Senegals. Von dort aus wollen wir durch den sicheren Süden Malis Guinea umfahren und in die Elfenbeinküste gelangen.

In Guinea-Bissau kontrolliert die Polizei zum ersten Mal, ob wir einen Feuerlöscher und ein Warndreieck haben. Zudem müssen wir zeigen, dass unser Scheiben Spritzwasser funktioniert. Hannes erklärt dem Polizisten deutlich, welche Schikane dies sei, angesichts des Zustandes der einheimischen Rostlauben. Ohne Geld zu bezahlen, aber mit ein paar Nerven weniger, fahren wir schließlich weiter.
Hannes ist heute ziemlich genervt von dem Grenzprozedere, so dass Svenja die Aufgaben übernimmt. Diesmal ist es kein Problem, in den Senegal einzureisen. Wir bekommen sogar das Carnet des Passage gestempelt und sind zurück im Land der vielen Baobabs.
Auf dem Weg zum Nationalpark Niokolo-Koba schmeißen uns zwei Jungs Steine auf das Auto. Hannes legt den Rückwärtsgang ein und springt bei den aus dem Auto. Die Kinder rennen, was das Zeug hält. Wir nehmen es mit Humor als dummen Bubenstreich, bei dem sich keiner etwas Böses gedacht hat.
Am Eingang des Parks erfahren wir, dass dieser nur mit Führer zugänglich sei. Wir haben keinen dritten Sitz im Auto und auch keine Lust auf eine geführte Tour. Die Weiterfahrt führt uns deshalb am Rande des Parks entlang, immer Richtung Norden. Als eine kleine Piste rechts abgeht, können wir der Versuchung nicht widerstehen und fahren auf eigene Faust in den Park.
Bei Dämmerung halten wir am letzten Dorf, oder vielmehr bei vier Lehmhütten. Wir wollen in der Nähe campen, aber nicht ohne zu fragen. Svenja geht auf eine Frau zu, die gerade Mais im Mörser stampft. Die beiden sprechen keine gemeinsame Sprache.  Auch ihr eilig herbeigerufener Mann versteht unser Anliegen nicht. Die Frage ist den Bewohnern inhaltlich nicht zu vermitteln, so selbstverständlich ist ihre Gastfreundschaft. Wir sind auch wahrscheinlich die einzigen, die jemals dort campieren wollten.
Unser Buschtaxi wird idyllisch bei einem einsamen Mangobaum platziert. Wir werden aufs herzlichste empfangen, der Familienvater bringt uns seine Bodenmatte, damit wir uns nicht auf die Erde setzen müssen. Campingstühle hat er vermutlich noch nie gesehen. Wir lassen sie auch gerne im Auto, um seine Geste zu würdigen und essen später nach senegalesischer Art auf dem Boden.
Bevor es dunkel wird, beeilen wir uns, einen Topf Pasta zu kochen. Die Kinder kommen angelaufen und schauen zu. Sie lachen laut, weil Hannes den Kochlöffel schwingt. Ein Mann beim Kochen ist hier undenkbar. Jeder Handgriff wird mit Lachen und lautem Durcheinanderreden kommentiert. Hannes ruft aufgeregt nach Svenja: „Kannst du bitte mal kommen, ich bin völlig überfordert. Hier stehen 10 Kinder um mich herum, was soll ich denn mit denen machen. Bitte bleib hier“.
Mit dem Hausherrn und einigen Kindern teilen wir unsere Spaghetti auf der Matte. Danach werden wir bei ihm zum Tee eingeladen. Wir sitzen zwischen den Hütten auf einem Eselkarren und die Kinder um uns herum auf Kanistern. Die Familie besitzt nur ein einziges Glas, das immer wieder aufgefüllt und herum gereicht wird. Erst bekommt Hannes den Tee, dann zu unserem Erstaunen Svenja und dann die anderen Männer. Die eigenen Frauen und Töchter bekommen das Glas zuletzt.
Ein Onkel ist über eine Stunde mit dem Fahrrad gefahren, als er von uns gehört hat. Er ist der einzige, der etwas französisch spricht und uns die Familie vorstellt. Der älteste Sohn ist 15, wir hätten ihn auf zehn geschätzt, und war als einziges Kind zwei Jahre in der Koranschule. Seitdem hilft er dem Vater auf dem Feld. In den vier Hütten wohnen die Familien zweier Brüder. Jede Familie hat viele Kinder. Ein Bruder besitzt 13 Ziegen, der andere baut Gemüse in einem kleinen Garten an. Die Ernte verkaufen sie in der 20 km entfernten Kleinstadt.
Die Frau stellt eine Schüssel mit Maiscouscous und Gemüsesauce in die Mitte. Hannes ist wieder als erster an der Reihe und will richtig zulangen, als er von Svenja kräftig gegen das Schienbein getreten wird. „Nimm nicht so viel, sie haben nichts“. Er ist froh, eine Frau mit solchem Einfühlungsvermögen und so viel Empathie als Partnerin zu haben. Die Schale reicht ohnehin kaum für die ganze Familie, wir essen nur ein oder zwei Hände aus Höflichkeit.
Diese unvorstellbare Gastfreundschaft trotz der eigenen Armut beeindruckt uns sehr. Die Mahlzeiten der Familie bestehen jeden Tag aus Maiscouscous. Fleisch einer Ziege gibt es nur zu besonderen Familienfeiern. Die Handvoll Gemüse wird vermutlich nur uns zuliebe heute dazu gekocht.
In der Vollmondnacht unter dem Mangobaum, mitten im Busch sprechen wir später alleine noch lange über den Abend und schämen uns für manches Verhalten unserer Gesellschaft.Übernachtung: Wild Campen Nationalpark Niokolo Koba (1)

24. März 2016 Reisetag: 71
Wassadou, Senegal

Morgens bringt uns der Hausherr Tee zum Auto. Wir laden ihn und die Kinder zum Frühstück ein. Müsli mit Jogurt kennen sie offensichtlich nicht, ist auch mit dem ungewohnten Löffel nicht einfach zu essen. Obwohl jedes Kind eine eigene Schüssel bekommt, teilen sie und bringen eine volle Schüssel ihrer Mutter. Uns fällt auf, dass alle sich umeinander kümmern.

Das Leben ist hier traditionell und äußerst einfach, aber augenscheinlich zufrieden. Wir sind schwer beeindruckt und auch glücklich. Der kurze Besuch in dieser anderen Welt ist für uns eines der schönsten Erlebnisse unserer bisherigen Reise.

Zurück auf der Hauptstraße kommen wir nachmittags zur Wassadou Lodge. Sie liegt direkt am Fluss mit Blick auf den Park. Wir sind die einzigen Gäste und genießen den Ausblick. Die Flusspferde liegen faul im Wasser. Eine Pavianherde, bestimmt 50 Stück, sitzt in der Nähe auf den Bäumen und macht einen irren Lärm.

Übernachtung: Wassadou Lodge (2)

25-26. März 2016, Reisetage: 72-73
Kedougou, Senegal

Weiter in den Süden fahren wir bis Kedougou. Der Nationalpark ist hier sehr trocken und wir sehen viele kleinere Waldbrände. Die Schlaglöcher in der Straße sind grauenvoll. Diese Route ist die Hauptverbindung in den Süden, uns kommen viele LKW entgegen, von denen einige auf dieser Piste zusammenbrechen. Ein uns schon bekannter Anblick.
Hinter Saraya, an der Grenze zu Mali erleben wir einen weiteren Rückschlag. Seit kurzem gibt es hier kein Visum mehr. Jahrelang wurde es problemlos an der Grenze ausgestellt, wie wir in vielen Reiseforen lesen konnten. Die Beamten bestehen darauf, dass wir nach Dakar zurückfahren und das Visum an der Botschaft beantragen. Uns ist zum Heulen zumute. Nach Dakar sind es über 700 km auf dieser schlechten Piste. Alles Reden bis abends und sogar das von uns ausnahmsweise angebotene Schmiergeld bringt uns nicht weiter, wir müssen zurück.

Übernachtung:  Le Relais de Kedougou (3)

27. März 2016, Reisetag: 74
Dakar, Senegal

Sobald es hell wird, sind wir auf der Straße. Wir brauchen insgesamt 12 Stunden. Unser Frühstück nehmen wir in einer kleinen Hütte, an der viele Fernfahrer halten, bei „Mama Afrika“. Das einzige Angebot sind gekochte Bohnen mit Omelette. Wir werden von den LKW-Fahrern bedient, alle Kinder beobachten jeden unserer Handgriffe und es schmeckt herrlich.

28. März 2016, Reisetag: 75
Dakar, Senegal

Obwohl wir versucht haben, die Stadt zu vermeiden, landen wir schließlich doch in Dakar und sind erstaunt, wie gut es uns gefällt. Wir werden in Zukunft noch weniger auf die, wohl gut gemeinten, aber immer subjektiven Meinungen anderer Reisender hören.
Da Ostermontag alle Behörden geschlossen haben, machen wir einen Ausflug auf die Ile de Goree. Die Insel mit ihren gut erhaltenen Kolonialbauten dokumentiert gut die wechselhafte Geschichte der westafrikanischen Kolonien. Trotz Heerscharen von Touristen fühlen wir uns hier wohl.

Übernachtung: Villa Mermoz (3)

29.-30. März 2016, Reisetag: 76-77
Dakar, Senegal

Wir entscheiden uns, schon von Dakar aus nach München zu fliegen. In ein paar Tagen hätten wir ohnehin zurück gemusst. Die Flugverbindungen sind von hier aus besser und auch das Abstellen des Buschtaxis erscheint uns im Senegal einfacher als in Mali.
Wir wollen die Zollvorschriften für längeres Abstellen eines Autos herausfinden und fahren mit einem Angestellten unseres Hotels zum Zollamt. Von dort werden wir von Behörde zu Behörde geschickt. Die Beamten kennen sich entweder nicht aus oder behaupten, wir hätten auf jeden Fall die falschen Papiere. Wir müssten wieder zurück zur Grenze nach Mauretanien und die richtigen holen. Unsere Geduld ist etwas angespannt. Als wir nach mehreren Stunden und Ämtern zuletzt ins Büro des Chefs der nationalen Hauptzollbehörde kommen, schimpft dieser lauthals über seine eigenen Leute. Unser Carnet des Passage sei, wie doch jeder wisse, viel mehr wert als jedes andere Papier und wir könnten den Toyo im Senegal parken, bis dieses in einem Jahr abgelaufen ist. Selbst unser afrikanischer Übersetzungshelfer ist sichtlich vom Behördengang genervt. Eine weitere Lektion für uns, lieber erst gar nicht nachfragen.
Unsere Flüge über Casablanca nach München sind für den nächsten Tag gebucht, das Auto wollen wir sicher auf einem bewachten Parkplatz am Flughafen abstellen. Eine Fahrt dorthin später ist uns klar, so etwas gibt es trotz internationalem großen Flughafen hier nicht. Wir werden zunehmend nervöser, als sich alle der uns später empfohlenen Alternativen als viel zu unsicher herausstellen. Drei Stunden vor Abflug haben wir unseren Flug schon abgeschrieben, einen Versuch unternehmen wir noch im größten internationalen Hotel Dakars, dem Radisson Blue. Das Management kümmert sich sofort um uns und ruft den Sicherheitsbeauftragten. Dieser erklärt uns im gutsitzenden Anzug mit gepflegtem Englisch, das Abstellen sei hier wegen der von unserem Auto ausgehenden Terrorgefahr nicht möglich. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel sagt keiner von uns beiden etwas, wir sehen uns gegenseitig unsere Ratlosigkeit an. Spontan biegt Hannes in ein Einkaufscenter ab, an dessen Einfahrt ein paar Sicherheitsleute mit Maschinengewehren stehen. Die Verwaltung lässt uns auch hier das Auto nicht abstellen. Erst nach einem ausgiebigen Gespräch mit der Managerin haben wir es geschafft: Welch ein Glück, sie ist ein großer Fan des FC Bayern München. Wir versprechen ihr, bei ihrem nächsten Besuch in München Karten für die Allianz Arena zu besorgen. Endlich steht das Buschtaxi sicher geparkt hinter den Schwerbewaffneten, direkt neben dem BMW des Center Eigentümers. Wir erreichen unseren Flug in letzter Minute.
Westafrika hat bei den Überlandfahrern den Ruf einer der am schwierigsten zu durchquerenden Gegenden der Welt. Dies vermutlich auch zurecht. Die Jagd nach Visa für die Vielzahl von Ländern, die Polizeikorruption und die sich laufend ändernden Grenzvorschriften machen es einem nicht einfach. Auch wir kommen in den letzten Tagen nahe an unsere Nervengrenze. Wir lieben Westafrika trotzdem. Diese Hürden verstehen wir als Schulung unserer Geduld und werden später mit noch mehr Ruhe und Gelassenheit von Dakar aus weiterfahren.
Joe, der Inhaber von Sukuta Camping in Gambia, hat uns erzählt, weniger als die Hälfte der Off-Roader würde es auf der West Route bis nach Kapstadt schaffen. Die meisten geben irgendwo wegen dieser Probleme auf und verschiffen ihr Fahrzeug in den Süden. Mal sehen, ob wir es nicht doch schaffen. Den Willen dazu haben wir jedenfalls.
Wir kommen in ein paar Wochen wieder.