Angola

Angola

Über Angola hatten wir vor der Einreise nur sehr wenig gelesen. Von anderen hören wir nur Negatives und Vorurteile, wie so oft über andere Länder. Allerdings nur von Leuten, die noch nie dort waren. 30 Jahre Bürgerkrieg, Blutdiamanten, Landminen und ein besonders übler Diktator sind die Dinge, die uns genannt werden. Die wenigen Transafrika Fahrer, die Angola länger als nur mit fünf Tage Transitvisum bereisten, waren hingegen begeistert. Hannes kann ein bisschen Portugiesisch. Die Landesprache zu verstehen wird für uns dadurch einfacher, sprechen ist hingegen schon schwieriger. Wir lassen uns überraschen.

16. – 18. November 2016, Reisetage: 176 – 178
Noqui, Angola und M’Banza Kongo, Angola

Nach einer Übernachtung in der wenig interessanten Grenzstadt Noqui erreichen wir M’Banza Kongo. Die Straße dorthin ist neu gebaut und makellos geteert. Ohne ersichtlichen Grund sind jedoch viele Abschnitte gesperrt, die Umleitungen führen über schlechte Pisten. Wir brauchen für die kurze Wegstrecke einen halben Tag.

 

Die einzige Sehenswürdigkeit M’Banza Kongos ist die erste portugiesische Kirche in Angola. „Kein Wunder, dass sie damit seit 20 Jahren erfolglos versuchen, in die UNESCO Liste zu kommen. Dann müsste jede italienische Dorfkirche drauf sein“, meint Hannes etwas verächtlich, als wir die Mauerreste besichtigen. Angola ist eines der wenigen Länder weltweit, die keine UNESCO Weltkulturerbe Stätte haben.

Auch die noch spärlicheren Überreste des Königspalastes wären für uns kein Grund, länger in der Stadt zu bleiben. Beim Abendessen lernen wir aber den Dekan der Universität und seine Frau kennen, die als Touristenführerin in Deutschland gearbeitet hat und perfekt deutsch spricht. Wir verbringen zwei interessante Abende zusammen, an denen wir einen guten Eindruck von der aktuellen Situation Angolas bekommen.

 

Übernachtung: Hotel Mirage, M’Banza Kongo (3)

19. November 2016, Reisetag: 179
Ambriz, Angola

Auf bester Teerstraße gelangen wir schnell nach N’zeto. Eine Sandpiste führt weiter an der schönen Küste entlang nach Süden bis zur Stadt Ambriz. Pater Antonio, der einzige Geistliche der katholischen Mission, begrüßt uns sehr freundlich und kommt unserer Bitte, auf dem Gelände campen zu dürfen gerne nach. Wir werden eingeladen, mit ihm zu Abend zu essen. „Kochen müsst aber ihr. Ich bin erst heute von einer Reise zurückgekommen und die Kinder, die für mich kochen, haben nichts gemacht“, sagt er zu unserer Überraschung. Wie recht er damit hat, sehen wir, als wir seine Küche betreten. Seine Küchenhilfen haben vermutlich auch Wochen zuvor dort wenig getan. Das dreckige Geschirr stapelt sich bis an die Decke.

 

Übernachtung: Im Auto bei katholischer Mission, Ambriz (3)

20. November 2016, Reisetag: 180
Barro do Dande, Angola

Wie bei den meisten Übernachtungen in Missionen ist auch bei dieser die Nacht kurz. Heute ist es der Pater selbst, der uns um sechs Uhr morgens aufweckt. Er zeigt zwei Freunden unser Auto, in dem wir gerade schlafen. Wir versuchen, das Ende seiner Erklärungen abzuwarten, ohne einen Laut von uns zu geben. Leider erfolglos. Wenn Afrikaner sich untereinander etwas erklären, dann immer sehr ausführlich, abschweifend und für unseren Geschmack wenig zielstrebig. „Dann sind sie vom Kongo gekommen?“, frägt einer der Freunde den Priester. „Ja, über die Grenze hier“, antwortet dieser. „Aber mit dem Auto?“, frägt der andere Freund. „Ja, mit diesem Auto über die Grenze. Den ganzen Weg aus Europa, aus Deutschland“, erklärt unser Gastgeber. „Und nicht mit dem Flugzeug?“, wird weiter gefragt. „Nein, nein alles mit dem Auto gefahren“, sagt der Priester. „Und auch im Kongo?“, frägt der Freund. „Ja, aus dem Kongo, hier an der Grenze nach Angola.“ – „Und bleiben sie hier?“ – „Nein, die wollen weiter fahren nach M‘Banza Kongo.“ – „Und warum sind sie nicht aus Luanda gekommen?“ – „Nein, nein. Die fahren mit dem Auto. Von Deutschland nach Afrika“, wird weiter erläutert. „Den ganzen Weg mit dem Auto? Das ist weit. Und auch durch den Kongo“, stellt der erste Freund zutreffend fest. „Ja und aus Deutschland nach Afrika. Mit dem Auto. Die schlafen auch drin“, sagt der Priester weiter. „Wo schlafen sie?“, frägt der andere Freund. „Hier im Auto. Sie fahren alles mit dem Auto. Ohne Flugzeug. Und sie schlafen auch darin“, wird erklärt. „Im Auto?“, wird ungläubig gefragt. „Ja, im Auto. Da ist Platz zum Schlafen.“ Der Diskurs geht eine halbe Stunde so weiter, wir können uns das Lachen nur schwer verkneifen. Als schließlich zum vierten Male erklärt wird, dass wir mit dem Auto hierhergefahren sind, wird es Hannes zu dumm. Er öffnet die hintere Tür und steigt, nur in der Unterhose bekleidet, aus dem Buschtaxi. „Guten Morgen“, begrüßt er die drei sichtlich überraschten Männer. „Guten Morgen, wir haben jetzt Messe. Ihr müsst kommen“, begrüßt ihn unser Gastgeber, offensichtlich ohne den Zusammenhang von lauter Unterhaltung und unserem Aufstehen zu bemerken.

 

Mehr oder weniger freiwillig sitzen wir kurz vor acht Uhr in unserer, normalerweise den Botschaftsbesuchen vorbehalten, formellen Kleidung in der Kirche. Wie in oberbayerischen Dorfkirchen vor noch nicht allzu langer Zeit, sitzt Svenja mit den Frauen auf der rechten Seite, streng getrennt von den Männern links. Hannes hat in der hintersten Reihe Platz genommen.

Der Gottesdienst ist dann, wie meist in Afrika, sehr fröhlich und dank des guten Mädchenchors und der heiteren Predigt unseres Priesters auch kurzweilig, obwohl die Messe fast zwei Stunden dauert. Gegen Ende werden wir völlig überraschend nach vorne gebeten und der ganzen Gemeinde vorgestellt. Hannes gibt nach kurzem Widerstand dem Bitten unseres Freundes nach, ein paar Worte zu sagen: „Herzlichen Dank für die Gastfreundschaft. Auf unserem Weg aus Deutschland sind wir durch ganz Afrika gefahren, 20 Länder. Kein einziges Mal haben wir etwas Schlechtes erlebt, jeder war gastfreundlich und hat uns herzlichst aufgenommen. In Angola sind wir erst einen Tag. Ein fröhliches Land, mit schöner Musik. Wir wünschen allen Gesundheit, glücklich zu sein und dem Land Angola einen langen Frieden, mit Gottes Hilfe“, sagt Hannes etwas nervös, während der Priester übersetzt. Die ganze Gemeinde steht auf und bedankt sich mit Jubel, was uns sehr verlegen macht. Als wir uns abends über das Erlebte unterhalten, wird uns erst klar, was unsere kleine Ansprache bedeutet. Das Wichtigste unserer ganzen Reise waren die Begegnungen mit Menschen. Wir durften unzählige interessante Bekanntschaften machen und ein paar neue Freunde gewinnen. Uns wurde nichts als Herzlichkeit und beste Gastfreundschaft entgegengebracht. Von einigen wenigen unfreundlichen Begegnungen mit Behörden abgesehen, die uns aber nichts vom Spaß der Reise genommen haben. Im Gegenteil. Wäre es einfacher, gäbe es viel mehr Transafrika Fahrer. So bleibt es etwas Außergewöhnliches, was uns doch ein klein wenig stolz macht.

Nach der Messe zeigt Svenja der ganzen Gemeinde geduldig unser Auto, bevor wir viel später als beabsichtigt loskommen. Währenddessen lachen sich einige Mädchen über Hannes fast tot, als er penibel Mangos für unser verspätetes Frühstück schält und in kleine Stücke schneidet. In Afrika beißt jeder von der Frucht ab, mit Schale.

Auf leichter Sandpiste fahren wir weiter an der hübschen Küste Richtung unseres Tagesziels Luanda, der Hauptstadt Angolas. Die späte Abfahrt zwingt uns aber zur Übernachtung in dem wenig ansprechenden kleinen Badeort Barro do Dande.

 

Übernachtung: Aldeamento Turistico Pasargada,  Barro do Dande (3)

21. – 22. November 2016, Reisetage: 181 – 182
Luanda, Angola

Luanda ist, was den sichtbaren Unterschied von Arm und Reich angeht, vermutlich die extremste Stadt der Welt. Fast alle der sieben, zehn oder zwölf Millionen Einwohner, so genau weiß das niemand, wohnen in Elendsvierteln. Anders als in den meisten Großstädten der dritten Welt sind diese nicht isoliert, sondern liegen teilweise direkt zwischen den Gebieten der Reichen. Dabei ist die Stadt eine der teuersten der Welt. Unmengen von Rohstoffen, darunter vor allem Diamanten und Erdöl, haben der Elite des Landes und ausländischen Konzernen unermesslichen Reichtum gebracht und die Preise in den wenigen exklusiven Teilen der Stadt in unbezahlbare Höhen getrieben. Eine vergleichsweise kleine Wohnung in den privilegierten Vierteln ist nicht unter 10.000 Euro pro Monat zu mieten, für eine Caiphirina in einem der schicken Strandclubs auf der Halbinsel Ilha do Cabo bezahlen wir 18 Euro. Oder besser gesagt, müssten wir bezahlen. Wir haben das Glück, in einer für Angola sehr unglücklichen Zeit zu reisen. Die katastrophale Politik des seit 33 Jahren diktatorisch und offensichtlich im Eigeninteresse herrschenden Präsidenten dos Santos zeigt immer mehr ihre verheerende Wirkung. Die Währung ist im freien Fall, vor den Geldautomaten stehen Warteschlangen tagelang vergeblich für Bargeld an und der Schwarzmarkt bezahlt ein Vielfaches des offiziellen Kurses für Dollar und Euro. Hierdurch wird Angola für uns zum günstigsten Land der ganzen Reise.

 

Wir profitieren zusätzlich vom exklusiven Yacht Club Luandas. Die Inhaber sind Fans der Überlandfahrer, lassen uns auf dem Parkplatz umsonst campieren und alle Einrichtungen des Clubs nutzen. Wir schlafen an einem der teuersten Orte der Welt mit bestem Blick auf diese unvorstellbare Stadt, die wie kein anderer Platz die Geschichte von der Ungerechtigkeit Afrikas und der ganzen Welt erzählt.

Wir besuchen die, für sich genommen schönen Restaurants und Strandclubs auf unserer reichen Halbinsel und wandern zum Sonnenuntergang auf die über der Stadt thronende portugiesische Festung. Heute ist sie ein Militärstützpunkt mit einem kleinem Armeemuseum. Mehr als dieses beeindruckt uns der Ausblick auf die nächtliche Stadt.

Luanda gefiele uns gut, könnten wir die Hintergrundgeschichte der Stadt ausblenden. So verlassen wir die Hauptstadt mit einem beklommenen Gefühl. „Kannst Du dich noch erinnern, was Du zu mir gleich am Anfang gesagt hast, als wir uns kennen gelernt haben. Über die Welt, meine ich“, frägt Hannes vor dem Schlafen Svenja. Ohne eine Antwort abzuwarten, zitiert er sie: „Ich kann nicht verstehen, warum die Welt so grausam und ungerecht ist.“ Vermutlich kann das niemand verstehen.

 

Übernachtung: Im Auto auf dem Parkplatz des Clube Náutico da Ilha de Luanda (2)

23. – 25. November 2016, Reisetage: 183 – 185
Caboledo, Angola

Kurz nach Luanda werden wir in einem kleinen, sehr sehenswerten Sklaverei Museum an eine andere Episode der Ausbeutung des Kontinents erinnert. Von Angola wurden Sklaven vor allem in die andere portugiesische Kolonie nach Brasilien gebracht. Nicht ohne sie kurz vor der Verschiffung in der kleinen Kapelle des Forts zu taufen.

 

Die heutige kurze Etappe bis Cabo Ledo unterbrechen wir noch einmal an einem Aussichtspunkt an der Küste. Wind und Regen haben die Felsen zu einer faszinierenden Landschaft geformt. Die Nachmittagssonne belohnt uns mit tollen Fotomotiven in leuchtenden Farben von Beige bis tief Orange. Svenja nutzt den Platz gleich als Kulisse für ein paar Yoga Übungen.

An einer kleinen Clubanlage dürfen wir umsonst campen und genießen dort ein paar Tage das gute Restaurant und den herrlichen Strand alleine, bis es uns mit Wochenendtouristen aus Luanda zu laut wird.

 

Übernachtung: Im Auto Carpe Diem Lodge, Caboledo (1)

26. November 2016, Reisetag: 186
Sumbe, Angola

Auf der Weiterfahrt kommt uns ein ziemlich martialisch aussehendes Fahrzeug entgegen, das sich nach kurzem Gespräch als ein für deutsche Gruppentouren umgebauter Militärlaster herausstellt. Michael aus Bayern führt damit Touristen, auch abseits der normalerweise begangenen Routen. Wir übernachten zusammen mit seinen zwei Fahrgästen und freuen uns über Michaels Geschichten aus 40 Jahren Afrika. Nicht nur seine Erfahrung, auch seine Geduld mit den, aus unserer Individualreise Sicht gelinde gesagt recht eigenwilligen Gästen, bewundern wir.

 

Übernachtung: Im Auto am Strand südlich von Sumbe (2)

27. – 30. November 2016, Reisetage: 187 – 190
Lobito, Angola

Auf der, nur von einem kurzen Halt an einer tiefen Schlucht unterbrochenen, Weiterfahrt bemerken wir wieder die schnelle Veränderung der Landschaft. Die Umgebung wird immer sandiger und trockener, wir bilden uns ein, den Sand der Wüste Namib schon riechen zu können. Die eigentlich nicht auf unserer Reiseliste stehende Hafenstadt Lubito gefällt uns unerwartet gut. Etwas abseits der modernen Hafenanlagen besuchen wir auf einer vorgelagerten Halbinsel ein Wohnviertel mit vielen gut erhaltenen, beeindruckenden Kolonialbauten. In den Straßen blühen feuerrote Akazien, die Lagunen sind voller Flamingos. Gerne bleiben wir für ein paar Tage in einem, dank des Wechselkurses günstigen, luxuriösen Hotel.

 

Übernachtung: Hotel Terminus, Lobito (1)

1. Dezember 2016, Reisetag: 191
Lucia, Angola

Unmittelbar nach der angrenzenden Stadt Benguela beginnt die Wüste Namib. Die nächsten zweitausend Kilometer werden wir sie von Nord nach Süd durchfahren. Bis zu ihrem Ende am Fluss Oranje, der die Grenze zwischen Namibia und Südafrika bildet. Landschaft wie Temperaturen über 30 Grad erinnern uns an die Sahara, die wir ebenfalls rund zweitausend Kilometer durchquert haben von Marokko, über die Westsahara und Mauretanien bis zum Senegal.

 

Die Besiedlung wird immer geringer, ebenso die Qualität der Verkehrswege. Viele unvollendete Brückenruinen zeugen von den erfolglosen Bemühungen, die Teerstraße bis in den Süden Angolas zu verlängern. Die betonierten Ungetüme bieten einen surrealen Anblick in der ansonsten unberührten Wüste. Der Dilettantismus beim Straßenbau wirkt auf uns unfreiwillig komisch. An manchen Brückenbaustellen wurde ein kurzes Stück Teerstraße bis an das Betonskelett herangeführt. Der Straßenanschluss misslang dabei gründlich, die Brückenfahrbahn liegt mindestens zehn Meter über der Straße. Die wenigen Einheimischen und ihre Tiere nehmen es offensichtlich gelassen. Auf der ein oder anderen Brückenruine sehen wir Hirten, die ihre Ziegen auf der Fahrbahn nach Hause treiben.

Gerade als wir uns Gedanken über unseren Übernachtungsplatz machen, sehen wir an einem der immer selteneren Wasserläufe ein Camp mit mehreren Zelten und Autos. „Fahr dort hin, das sind sicher Europäer. Ich möchte mit ihnen sprechen“, bittet Svenja Hannes. Während er im Auto wartet, unterhält sie sich länger mit zwei Männern aus dem Camp. „Wir bleiben heute hier. Es sind Priester aus Namibia. Sie helfen hier den einheimischen Hirten, das interessiert mich“, sagt Svenja, ohne eine Antwort zu erwarten.

 

Nachdem wir den Chef der hiesigen Halbnomaden in ein paar winzigen Lehmhütten zwischen Ziegen und nackten Kinder gefunden und ihn um Erlaubnis zum Übernachten gefragt haben, verbringen wir die Nacht zusammen mit der Gruppe Missionaren. Es wird ein sehr interessanter Abend, bei dem wir neben den Lebensumständen der Hirten auch das ein oder andere über das Campen lernen. Namibier sind die ungekrönten Weltmeister darin. Svenja ist beeindruckt von dem am Lagerfeuer frisch gebackenen Brot und unterhält sich lange mit dem jüngsten Teammitglied, der 18-jährigen Mandy. Sie ist ein auf einer namibischen Farm aufgewachsenes, naturverbundenes, hübsches Mädchen, voller Lebensfreude, Idealismus und Tatendrang. Fasziniert von unserer Reise und Svenjas beruflichen Erlebnissen, möchte sie alles über uns erfahren. Stolz erzählt sie uns von ihren Plänen. Nach dem Camp in Angola wird sie im Libanon für ein Jahr  in einem Flüchtlingslager helfen. „Wir müssen sie dort unbedingt einmal besuchen“, sagt Svenja spontan am nächsten Morgen. „Wer weiß, vielleicht kommen wir mit dem Buschtaxi bis dorthin. Bis hierher zu kommen hatten wir schließlich auch nicht geplant“, bekräftigt sie Hannes.

 

Übernachtung: Im Auto am See bei Lucia (2)

2. Dezember 2016, Reisetag: 192
Bentiaba, Angola

Je weiter wir in die Namib nach Süden vordringen, desto eindrucksvoller wird die Umgebung. Hunderte Kilometer lang sehen wir nichts außer Steinwüste in unterschiedlichen Färbungen, Steilküsten und unzählige Buchten mit leeren Stränden.

 

Auf einer Klippe fragen wir den einsamen Wärter eines von weitem sichtbaren Leuchtturms nach einer guten Bademöglichkeit. Er beschreibt uns eine kleine Piste, die ein paar Kilometer weiter zu einer versteckten Bucht führt. „Was machst Du denn hier den ganzen Tag“, fragt Hannes den Wärter, bevor wir aufbrechen. „Ich passe auf den Leuchtturm auf. Und vor allem, dass keine schwarz Fischer unterwegs sind“, antwortet dieser. „Und hast du welche gesehen?“, will Hannes wissen. „Ja, immer. Da draußen sind chinesische Fischer“, weist er uns auf zwei größere Schiffe am Horizont hin. „Ich melde das per Funk an die Verwaltung. Aber es kümmert sich niemand darum.“ Anscheinend verfolgt die Regierung auch bei diesem Geschäft eher eigene Interessen.

 

„Sollen wir Luft ablassen vor dem Sand?“, frägt Svenja, bevor wir auf den einsamen Strand fahren. „Unsinn, das sind nur ein paar Meter. Kein Problem“, gibt ihr Hannes zurück. Das Ergebnis ist das am schlimmsten eingegrabene Auto auf der ganzen Fahrt, schlechte Stimmung und ein Sonnenbrand auf Hannes Rücken. Natürlich hat er ein weiteres Mal nicht auf Svenja gehört und keinen Sonnenschutz aufgetragen. Zwei Stunden graben wir in der Mittagssonne den Toyo aus dem Tiefsand. So aufwendig war es noch nie, nicht einmal, als wir als blutige Anfänger in die Sahara gefahren sind. Das Buschtaxi sitzt bis zum Unterboden im Sand.

Unsere Laune ist schnell wieder bestens, als das Auto frei ist und wir uns nach der Plackerei in die herrliche Brandung stürzen. „Lass uns hier bleiben“, sagt Hannes und kommt damit Svenja zuvor, die sich gerade Gedanken macht, welche Notfallvorräte wir noch für das Abendessen haben. Während sie Nudeln mit Tomatensauce aus der Dose kocht, freut sich Hannes wie ein kleiner Junge, als er Treibholz sammelt und unser erstes wildes Lagerfeuer anzündet. Es wird eine herrliche Nacht.

Unter unbeschreiblichem Sternenhimmel sitzen wir am Feuer, als einzige Gesellschaft ein paar Strandkrabben, die sich mit uns an der Glut wärmen. Selbst die Konserven Pasta schmeckt uns gut.

„Es ist wie immer. Die besten Sachen erleben wir spontan, wenn wir unseren Plan ändern“, bemerkt Svenja vor dem Aufstehen. „Eben. Hätte ich uns nicht in den Sand gesetzt, hätten wir es nicht erlebt“, antwortet ihr Hannes, ohne sich selbst allzu ernst zu nehmen. Die Natur sorgt dann noch zusätzlich dafür, dass wir diesen Tag nicht so schnell vergessen werden. Neben dem Auto liegt eine Meerschildkröte beim Eierlegen. Um sie nicht zu stören, frühstücken wir in gebührendem Abstand und beobachten sie lange, wie sie sich bis zur vollständigen Erschöpfung den Weg zurück ins Meer erkämpft. Es sind glückliche Momente wie diese, die Reisende für jegliche Mühe mehr als entschädigen.

 

Übernachtung: Im Auto am Strand nördlich von Bentiaba (1)

3. – 4. Dezember 2016, Reisetage: 193 – 194
Lubango, Angola

„Heute Nachmittag gehen wir zum Raclette-Essen auf eine Berghütte“, sagt Hannes, als wir Richtung Lubango ins Landesinnere fahren. „Sehr witzig, ich wäre schon froh, wenn wir vernünftiges Brot kaufen könnten“, erwidert Svenja etwas genervt. Vermutlich hat jede Nation bestimmte Eigenheiten, die man nicht so ohne weiters abstreifen kann, egal wie lange man im Ausland ist. Bei uns und bei vielen anderen deutschen Langzeitreisenden gehört die Vorliebe für gutes Vollkornbrot dazu. So lecker das in ganz Westafrika verbreitete Baguette auch sein mag, nach ein paar Wochen haben wir davon genug. Svenjas Vorrat an vakuumverpacktem deutschem Schwarzbrot ist schon seit Kamerun aufgebraucht. Umso ungeduldiger ist sie, das vorgestern gesehene Brotbacken am Lagerfeuer selbst auszuprobieren.

 

Vom Meer Richtung Osten durchqueren wir auf der Hauptstraße die Namib, die zweitausend Kilometer lang aber nur etwa 150 Kilometer breit ist. Das Klima wird schnell spürbar feuchter. Kleinere Farmen liegen entlang der Straße. Dort hängen reife Mandarinen, eine Erinnerung an das nur drei Wochen entfernte Weihachten. In der Wüste bei meist 30 Grad ist es gefühlt eine Ewigkeit weg. „Kannst du Dir vorstellen, dass unser Flug schon in zwei Wochen geht? Nach Deutschland in den Schnee?“, frägt Svenja. „Ja, unglaublich. Die Zeit ist so schnell vergangen. Als ob es gestern gewesen wäre, als wir in Ghana losgefahren sind“, fügt Hannes dazu.

 

Lubango liegt im Hochland Angolas, auf 1.770 Metern Höhe. Die Straße führt über den Serra da Leba Pass, den wir mit dem Buschtaxi in sehr gemächlichem Tempo bewältigen. Das Auto hat einen, nach heutigen Maßstäben antiquierten Dieselmotor, ohne Turboaufladung, mit sehr überschaubarer Leistung von 130 PS, bei drei Tonnen Gewicht. So mancher LKW ist bergauf flotter unterwegs. Auf der gemächlichen Fahrt werden wir mit eindrucksvollen Ausblicken belohnt. Serra da Leba gilt zurecht als einer der schönsten Pässe der Welt.

Hannes fährt hinter Lubango noch ein Stück in die Berge. „Hier ist das versprochene Mittagessen“, bemerkt er mit süffisanter Stimme. Svenja traut ihren Augen nicht. Ein Schweizer betreibt eine Käserei mit Verkostung in einer Berghütte, wie sie in den Alpen nicht schöner stehen könnte. Das Raclette schmeckt, als ob wir seit Tagen nichts gegessen hätten. Vermutlich sind wir die einzigen Gäste, die es jemals ganz aufgegessen haben.

Sehr zu Hannes Missfallen wird anschließend von Svenja sämtliches Bier aus unserem kleinen Kühlschrank entfernt und dieser bis zum Bersten mit bestem Käse und Joghurt gefüllt. Ein Vorrat, über den wir uns in der Wüste Namib oft freuen werden.

 

Die Stadt Lubango gefällt uns weniger als ihre malerische Lage, auf dem Hochplateau thronend, umrahmt von Tafelbergen. Wechselkurs bedingt günstig, mieten wir uns für zwei Nächte in eine exquisite Lodge ein. Welch schöne, riesige Parkanlage dazu gehört, sehen wir erst am nächsten Morgen. „Komm schnell. Steh auf, das musst Du sehen“, scheucht Hannes Svenja etwas unsanft aus dem Bett.  Beim Blick aus dem Fenster wissen wir, dass wir dem südlichen Afrika mit seinen riesigen Tierbeständen nahe sind. Auch wenn die Zebras auf der Hotelanlage nicht wild sind, freuen wir uns über die Tiere. Sie sind uns ein Zeichen, dem Ziel der Reise nahe zu sein.

 

Übernachtung: Pululukwa Lodge, Lubango (1)

5. – 6. Dezember 2016, Reisetage: 195 – 196
Südlich von Namibe, Angola

Vom Aussichtspunkt der Tundavala, einer Schlucht im Hochland, gibt es angeblich einen einmaligen Blick auf die Tiefebene. Wir planen heute eine größere Etappe bis zur Flamingo Lodge, ein Küstencamp für Sportangler und letzte touristische Einrichtung vor dem unbewohnten Teil der Wüste. Tundavala wollen wir natürlich trotzdem unbedingt besuchen, entsprechend früh brechen wir auf. Unser früher Start sorgt für dichten Morgennebel und dafür, dass wir vom schönen Ausblick gar nichts sehen.

Den einzigen weiteren Halt in der im Sand gelegenen, wenig ansprechenden Ortschaft Namibe nutzen wir, um weiteren Proviant für einige Tage Wüstenaufenthalt zu beschaffen. Lange Strandpisten führen weiter zur Flamingo Lodge, ein einfaches kleines Camp, das uns gut gefällt. Der Name ist gut gewählt, jeden Morgen laufen stolze Flamingos am Strand auf und ab, Robben schwimmen in den Wellen.

Neben uns gibt es nur zwei Gäste, mit denen wir einen Tag länger als geplant eine lustige Zeit verbringen. Der Südafrikaner Andries ist passionierter Sportfischer. Richtig sympathisch wird er uns, als seine Frau erzählt, seit zwei Jahren fische er mit unglaublicher Begeisterung, Zeitaufwand und Ausrüstung. Er habe aber noch keinen einzigen Fisch gefangen. Tatsächlich sehen wir ihn lange vor dem Frühstück geduldig immer wieder seine vielen Angeln unter den mitleidigen Blicken der Angestellten erfolglos auswerfen. Sie fischen an gleicher Stelle mit einfachen Schnüren. Scheinbar gibt es doch so etwas wie Petri Heil. Hannes kann sich beim Sundowner etwas Spott nicht verkneifen: „Hast Du die Fische von heute Morgen schon in deine riesigen Kühlschränke im Anhänger getan? Ich habe sie gar nicht gesehen.“ Andries nimmt es mit Humor, wir lachen viel und versprechen, die beiden in Südafrika zu besuchen.

Den zusätzlichen Tag am Strand nutzt Svenja für eine Übungsstunde mit Tina, der deutschen Freundin des Camp-Leiters Matt aus Südafrika. Sie hat ein Yoga Studio in Kapstadt.

Hannes ist begeistert von den Haustieren der Lodge. Ein eigenwillig aussehender Hund und ein junger Schakal, der als Welpe verletzt vor dem Camp lag. Die hier empfangene Hilfe hat er nie vergessen. Das sonst so scheue Tier kommt jeden Abend pünktlich um acht Uhr, um sich seinen Leckerbissen abzuholen.

 

Übernachtung: Flamingo Lodge (2)

7. Dezember 2016, Reisetag: 197
Parque Nacional do Iona, Angola

Matt leitet die Flamingo Lodge nur aushilfsweise. Im richtigen Beruf ist er Tour-Leiter für Off-road Reisen. Wir besprechen die von uns geplante Route. Hinter den Sanddünen an der Küste entlang bis zur Mündung des Kunene Flusses, von dort gut 300 Kilometer quer durch die Wüste bis zur namibischen Grenze. Diese Strecke kennt er angeblich gut. Sie sei sehr anspruchsvoll und ohne Ersatz Kanister und mit nur einem Fahrzeug eigentlich nicht zu machen, meint er. Wir sind etwas verunsichert, im Internet ist die Route als nicht so unmöglich beschrieben. Vor seinem professionellen Rat haben wir natürlich gehörig Respekt. So füllen wir bei der letzten Tankmöglichkeit in Tômbua einige große Plastikflaschen mit Diesel. Nach unseren Berechnungen sind sie unnötig, das Buschtaxi hat 180 Liter Diesel in den beiden Tanks. Selbst bei schlechten Pisten reicht das für mindestens 1.000 Kilometer.

In Erwartung der schwierigen Piste starten wir früh. Leichte Flachsandpassagen, ab und zu Waschbrettpiste und einige einfache steinige Abschnitte sind alles, was uns am ersten Tag begegnet. Das Schlimmste kommt scheinbar noch.

 

Bis abends erreichen wir den Eingang des Nationalparks Iona, der von einem einsamen Wächter und seinem Hund bewacht wird. Er zeigt uns in der Nähe einen guten Stellplatz am trockenen Flussbett. Der Hund verbringt die Nacht lieber bei uns, sei es wegen des warmen Platzes am Feuer oder wegen der herausragenden Versorgung mit Dosen Bohnen und eingelegtem Tintenfisch.

 

Übernachtung: Im Auto am Parkeingang des Parque Nacional do Iona (2)

8. Dezember 2016, Reisetag: 198
Kunene, Angola

Auf der weiterhin guten Piste brauchen wir zwei Stunden bis Espenhierra, dem einzigen Ort im Nationalpark. Ort ist nicht das richtige Wort dafür, Einsiedelei wäre zutreffender. Einziger Einwohner ist Bruce, der Park Ranger. Ursprünglich aus Zimbabwe, hat er sein ganzes Leben in verschiedenen Nationalparks überall in Afrika gearbeitet. Seit vier Jahren lebt er hier alleine in dem aus drei Barracken bestehenden Camp. Kontakt zur Außenwelt gibt es nur wenig, alle paar Wochen fährt er nach Namibe zum Einkaufen, auch Alkohol, dem er augenscheinlich nicht ganz abgeneigt ist. Die Einrichtung wird von der Europäischen Union bezahlt, sinnvolle Arbeit gibt es laut Bruce hier sehr wenig. Der Ranger und Hannes verstehen sich sofort, ohne großen Widerstand leistet er ihm schon mittags die willkommene Gesellschaft beim Gin Tonic. Svenja geht lieber spazieren.

 

„Wenn ihr an den Fluss wollt, verrate ich Euch meinen Lieblingsplatz“, bietet er uns nach einigen Drinks an. Eine Stunde später sind wir auf dem Weg dorthin. Mit Alkoholkontrollen ist hier Gott sei Dank nicht zu rechnen, der einzige Mensch im Umkreis von 200 km ist Bruce. Die halbtägige Fahrt wird eine der schönsten unserer Reise. Vor sanften Bergketten am Horizont zieht sich unsere Fahrspur wie eine unendliche helle Linie im sandigen, von unzähligem kleinsten Buschwerk zusammengehaltenen Boden. Schier endlos geht der Blick. Kleine Windhosen tragen hier und da Sand durch die Landschaft, die einzige Bewegung in der ungestörten Ruhe.

Ein oder zweimal sehen wir im Hitzeflimmern kleine schwarze Punkte. Aus ihnen werden beim Näherkommen Oryxantilopen, die sich in ihrer majestätischen Haltung von uns nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Am Kunene ankommen, verstehen wir Bruces Liebe für diesen Ort. Etwa ein Drittel der Wüste liegt in Angola, der Rest in Namibia. Die beiden Länder werden von diesem Fluss getrennt. Vom steinernen Hochplateau sehen wir über den Kunene, hinter dem sich die orange leuchtenden Dünen der Sandwüsten Namibias auftürmen.

Der Abhang zum Fluss ist stellenweise steil und tief sandig. „Ich möchte mal sehen, welcher von den protzigen SUV in München hier wieder raufkommt“, meint Hannes als Svenja das Buschtaxi im Kriechgang bis zum Ufer manövriert. Die Mühe lohnt sich, der Stellplatz am Fluss wird vermutlich noch lange seinen Rang in den Top 10 unserer Übernachtungsplätze behalten. Lediglich das bei der Hitze willkommene Bad verkneifen wir uns. „Ihr könnt in den Fluss gehen. Schaut vorher links und rechts, ob ihr Augen seht“, lautete Bruces gutgemeinter Rat. Ohne seine Afrikaerfahrung und Todesverachtung halten wir lieber gehörigen Abstand. Der Kunene ist Krokodil verseucht. Der ein oder andere Besucher wurde angeblich schon verspeist.

 

Übernachtung: Im Auto am Kunene Fluss (1)

9. Dezember 2016, Reisetag: 199
Espenhierra, Angola

Wir wären gerne ein paar Tage länger an dem, mittlerweile auch von uns geliebten Platz geblieben. Unser Flug geht aber bald. Bis Windhoek, dem geplanten Abstellplatz ist es noch weit, die weitere Piste laut Matt sehr schwierig. Schweren Herzens lassen wir die Vernunft siegen und machen uns nachmittags auf den Rückweg. Wir übernachten neben dem Camp in Espenhierra, den Abend erleben wir beide unterschiedlich. Svenja geht früh ins Bett, während Hannes einen feuchtfröhlichen Abend mit Bruce verbringt. Nächsten Morgen muss erstmal Svenja fahren.

 

Übernachtung: Im Auto in Espenhierra (2)

10. – 11. Dezember 2016, Reisetage: 200 – 201
Wüste Namib, Angola

Die Durchquerung der Namib von West nach Ost empfinden wir als nicht besonders schwierig. Die Pisten sind meist steinig, selten nur leicht sandig. Wir müssen nicht ein einziges Mal den Allradantrieb zuschalten. Es gibt aber gefühlt hunderte von Durchfahrten durch kleine trockene Flussbette mit sehr steilen Ufern. Dadurch ist nur eine geringe Durchschnittsgeschwindigkeit möglich. Hannes hat trotzdem den Ehrgeiz, die Strecke in zwei Tagen zu schaffen, nicht in den uns prophezeiten vier. Mit sieben Stunden Fahrt am Tag und zugegebenermaßen unbequem sportlicher Fahrweise kommen wir am späten Nachmittag des zweiten Tages an die Grenze. Unser zweiter Tank ist noch dreiviertel voll.

 

Bei der einzigen Übernachtung auf der Strecke stehen wir an einem Flussbett unter riesigen Bäumen, deren Schatten bei mittlerweile fast 40 Grad unverzichtbar ist. In der Namib regnet es so gut wie nie. Manche Jahre fällt gar kein Regen, sonst ein bisschen an ein oder zwei Tagen im Jahr. Wir haben das zweifelhafte Glück, dass es anfängt zu regnen, als wir unser Abendessen kochen. Eng aneinander gekauert essen wir im Auto und beobachten das seltene Ereignis. Auch eine Rarität ist es vermutlich, hier Besuch zu bekommen. Gerade wollen wir uns einen Nachschlag nehmen, als ein junger Ziegenhirte vom Stamm der Himba im Lendenschurz vor dem Auto steht. „Komm hierher, möchtest du was essen“, lädt Svenja ohne zu zögern den Jungen auf Englisch ein. Er versteht kein Wort, die Geste mit der entgegengehaltenen Schüssel dafür umso besser und so sitzen wir zu dritt noch enger im Auto. Mit offensichtlich großem Appetit werden unsere beiden, gerne abgegebenen Portionen verspeist. Beim anschließenden Gesprächsversuch Svenjas bewährt sich unser Reisewörterbuch ohne Worte. Mit bewundernswerter Geduld findet sie einiges über seine Familie und deren Tiere heraus.

Nächsten Morgen hat Svenja endlich ihren großen Auftritt. Zum Frühstück soll es am Feuer selbst gebackene Semmeln geben. Das Ergebnis ist desaströs. Die außen verkohlten, innen rohen Teigklumpen werden nicht einmal von den ausgehungerten Himba Ziegen gefressen. Natürlich ist Svenja um eine Schuldzuweisung nicht verlegen: „Es liegt nur daran, dass wir keinen verstellbaren Grill haben. Die Hitze ist zu groß.“

Das Frühstück besteht stattdessen aus unserem Standard, Müsli Flocken mit Joghurt, heute mangels Obststand in der Namib ausnahmsweise ohne Früchte.

„Schnell, wir brauchen die Kamera. Da hinten sind Affen“, ruft Hannes, als er einige in der Entfernung sieht. Die Eile ist gänzlich unangebracht. Minuten später sind wir von einer ganzen Bande umgeben. Aus allen Büschen und von den Bäumen über uns wird jeder unserer Handgriffe genauestens beobachtet. Als wir unser Essen nicht freiwillig teilen, werden wir mit den Schalen der Baumfrüchte beworfen.

Für uns ist die Attacke Anlass zum Aufbruch und gleichzeitig ein lustiges Verabschiedungs-Komitee aus Angola, ein Land, das uns unglaublich gut gefallen hat. Von allen Ländern auf der Route haben wir hier die lebensfrohsten Menschen getroffen und die fröhlichste Musik gehört. Trotz des längsten Bürgerkrieges und des vermutlich übelsten amtierenden Diktators Afrikas. Ein bisschen erinnert uns das Land an das von uns beiden geliebte Brasilien, nur ohne einen einzigen Pauschaltouristen.

 

Kurz vor der Grenzstation bei Ruacana zeigt uns ein Schild, was wir beide im Herzen fühlen: „Gute Reise. Komme jederzeit wieder.“ Wir würden es nur zu gerne.

Was wir aus Angola in guter Erinnerung behalten werden:

  • Ein Schakal, der zum Abendessen ins Hotel kommt
  • Die Wüste Namib
  • Campen am Kunene
  • Frühstück unter Affen Belagerung

Was uns weniger gefallen hat:

  • Die Schwierigkeiten, ein Visum zu bekommen. Nebst dessen Preis
  • Die himmelschreiende Ungerechtigkeit am Beispiel Luandas

Unsere Reiselektüre:

Reiseführer: Mike Stead u.a.: Angola (Bradt Travel Guide), 2013
Wie die meisten der Reihe, sehr ausführlich, aktuell und gut beschrieben